Empfehlung für das 10 Monate alte, ungeimpfte Geschwisterkind
Für das 10 Monate alte, ungeimpfte Geschwisterkind sollte eine prophylaktische Gammaglobulindosis verabreicht werden (Antwort d). 1
Begründung
Die ACIP-Leitlinien sind hier eindeutig: Immunglobulin (IG) ist indiziert für empfängliche Haushaltskontakte von Masernpatienten, insbesondere für Säuglinge im Alter von ≤12 Monaten, bei denen das Risiko für Komplikationen erhöht ist. 1
Warum nicht sofortige Impfung?
Die Masernimpfung (MMR-Lebendimpfstoff) wäre theoretisch bei Haushaltskontakten ab 6 Monaten innerhalb von 72 Stunden nach Exposition akzeptabel. Jedoch wird Masern oft erst nach >72 Stunden nach Beginn erkannt. 1 Da das Geschwisterkind bereits erkrankt ist, ist die 72-Stunden-Frist höchstwahrscheinlich bereits überschritten.
Die Leitlinien stellen klar: "Daher wird die Verabreichung von IG an empfängliche Haushaltskontakte empfohlen, die nicht innerhalb von 72 Stunden nach initialer Exposition geimpft wurden." 1
Spezifische Dosierung
- Standarddosis für immunkompetente Säuglinge: 0,25 mL/kg Körpergewicht (maximal 15 mL) 1
- Zeitfenster: Innerhalb von 6 Tagen nach Exposition kann IG Masern verhindern oder abschwächen 1
- Neuere Daten zeigen, dass IVIG (0,4 g/kg) bis zu 10 Tage nach Exposition noch wirksam sein kann 2
Wichtige Nachsorge
Das Kind muss später noch geimpft werden: Jede Person, die IG erhält, sollte anschließend die MMR-Impfung erhalten, frühestens 5-6 Monate nach IG-Gabe, vorausgesetzt das Kind ist dann ≥12 Monate alt. 1 Dies liegt daran, dass passiv erworbene Masern-Antikörper die Immunantwort auf die Impfung beeinträchtigen können.
Häufige Fallstricke
- Nicht auf die 72-Stunden-Frist für die Impfung verlassen bei Haushaltskontakten, da die Diagnose meist verzögert erfolgt
- Säuglinge <6 Monate sind normalerweise durch mütterliche Antikörper geschützt, aber wenn die Mutter selbst Masern hat, sollten alle ungeimpften Kinder jeden Alters im Haushalt IG erhalten 1
- Keine simultane Aktiv-Passiv-Impfung (Antwort e): Dies wird nicht empfohlen, da IG die Wirksamkeit des Lebendimpfstoffs beeinträchtigt
Klinische Wirksamkeit
Die Evidenz zeigt eine Effektivität von 76-100% für IG-Postexpositionsprophylaxe 3, wobei die Wirksamkeit am höchsten ist, wenn IG innerhalb der ersten 3 Tage verabreicht wird 2.
Totvirus-Impfstoff (Antwort b) existiert nicht für Masern – nur Lebendimpfstoffe sind verfügbar.