Bei Diplokokken im Liquor eines Kindes mit Fieber und Kopfschmerzen handelt es sich um Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae)
Die Antwort ist b) Pneumokokken. Diplokokken im Liquor bei einem Kind mit Verdacht auf bakterielle Meningitis sind am häufigsten Streptococcus pneumoniae, der häufigste Erreger der bakteriellen Meningitis im Kindesalter jenseits der Neonatalperiode 1.
Mikroskopische Differenzierung der Erreger
Die mikroskopische Morphologie ist entscheidend:
- Pneumokokken (S. pneumoniae): Gram-positive Diplokokken, typischerweise lanzettförmig
- Meningokokken (N. meningitidis): Gram-negative Diplokokken, oft intrazellulär in Leukozyten
- E. coli: Gram-negative Stäbchen (keine Kokken)
- Salmonellen: Gram-negative Stäbchen (keine Kokken)
- Enterokokken: Gram-positive Kokken in Ketten, nicht als Diplokokken
- Toxoplasmose: Parasit, nicht bakteriell, keine Diplokokken
Epidemiologische Überlegungen
S. pneumoniae ist der häufigste Erreger der bakteriellen Meningitis bei Kindern jenseits der Neonatalperiode 1. Die ESCMID-Leitlinie zeigt, dass in großen europäischen Studien Pneumokokken die dominierende Ursache darstellen 1.
Wichtige klinische Hinweise:
- Gram-Färbung hat 90% Sensitivität für Pneumokokken-Meningitis 2
- Bei Meningokokken würde man häufiger einen petechial-purpuralen Hautausschlag sehen (61% bei Meningokokken vs. 9% bei Pneumokokken) 1
- Die Gram-Färbung unterscheidet zwischen gram-positiven (Pneumokokken) und gram-negativen (Meningokokken) Diplokokken
Praktische Fallstricke
Wichtig bei blutiger Punktion: Die Korrektur der Liquorzellzahl erfolgt mit einem Verhältnis von 500-1000 Erythrozyten zu 1 Leukozyt 3. Dies ist entscheidend, um eine echte Pleozytose von einer durch die traumatische Punktion verursachten zu unterscheiden.
Die Gram-Färbung bleibt trotz blutiger Punktion diagnostisch wertvoll und sollte immer durchgeführt werden 2. Bei Pneumokokken-Meningitis ist die Gram-Färbung in 90% der Fälle positiv, was die höchste Rate unter den bakteriellen Meningitiserregern darstellt 2.
Sofortige therapeutische Konsequenz
Bei Nachweis von Diplokokken im Liquor eines Kindes sollte sofort eine empirische Antibiotikatherapie mit einem Cephalosporin der 3. Generation (Ceftriaxon oder Cefotaxim) begonnen werden, noch vor Erhalt der Kulturergebnisse 4. Bei Kindern unter 50 Jahren ohne Risikofaktoren für Listeriose ist dies die Standardtherapie 4.