Sekundär bakterielle Peritonitis (Antwort: b)
Bei diesem Patienten spricht die Kombination aus polymikrobieller Infektion (Klebsiella UND Enterokokken) zusammen mit dem akuten Abdomen (massive Bauchschmerzen, diffuse Abwehrspannung) primär für eine sekundär bakterielle Peritonitis, nicht für eine spontan bakterielle Peritonitis.
Entscheidende diagnostische Unterscheidungsmerkmale
Polymikrobielle vs. Monobakterielle Infektion
Die spontan bakterielle Peritonitis (SBP) ist charakteristischerweise monobakteriell 1. Die AASLD-Leitlinie von 2021 betont explizit, dass spontane Infektionen typischerweise durch einen einzelnen Erreger verursacht werden, am häufigsten gramnegative Bakterien wie E. coli oder Klebsiella pneumoniae 1.
Der entscheidende Befund hier: Die Asziteskultur zeigt zwei verschiedene Erreger (Klebsiella und Enterokokken). Dies ist hochverdächtig für eine sekundäre Peritonitis mit einer intraabdominellen Infektionsquelle (z.B. Darmperforation, Divertikulitis, Cholezystitis).
Klinische Präsentation
Die plötzlich einsetzenden massiven Bauchschmerzen mit diffuser Abwehrspannung sprechen für ein akutes Abdomen. Dies ist untypisch für SBP, die sich meist schleichender präsentiert. Die Abwehrspannung deutet auf eine peritoneale Reizung durch eine akute intraabdominelle Katastrophe hin.
Neutrophilenzahl
Mit 8.400 Neutrophilen/mm³ liegt der Wert deutlich über dem diagnostischen Schwellenwert von 250/mm³ für SBP 1. Während dies grundsätzlich mit SBP vereinbar wäre, sind derart hohe Werte in Kombination mit den anderen Befunden eher verdächtig für eine sekundäre Peritonitis.
Differentialdiagnostische Überlegungen
Ausgeschlossene Optionen:
- Bakteraszites (c): Definiert als positive Kultur bei <250 Neutrophilen/mm³ - hier sind es 8.400, also ausgeschlossen
- Neutrozytischer Aszites (d): Definiert als >250 Neutrophile bei negativer Kultur - hier ist die Kultur positiv, also ausgeschlossen
Wichtiger Caveat:
Die AASLD-Leitlinie warnt ausdrücklich: "Patients with a focal intra-abdominal inflammatory entity (e.g., diverticulitis, cholecystitis) may have an ascites PMN count >250/mm³ and should be treated not for SBP but for the specific condition per standard of care, including a surgical consult" 1.
Klinisches Vorgehen
Sofortige Bildgebung erforderlich: Bei Verdacht auf sekundäre Peritonitis muss unverzüglich eine CT-Abdomen durchgeführt werden, um eine chirurgisch behandelbare Ursache (Perforation, Abszess) zu identifizieren.
Chirurgische Konsultation: Bei sekundärer Peritonitis ist eine chirurgische Evaluation obligat, da eine operative Sanierung der Infektionsquelle notwendig sein kann.
Antibiotikatherapie: Breitspektrum-Antibiotika mit Abdeckung von gramnegativen und grampositiven Erregern sowie Anaerobiern (z.B. Piperacillin-Tazobactam oder Carbapenem) sind indiziert - nicht die für SBP empfohlenen Cephalosporine der 3. Generation 1.