HIV-Postexpositionsprophylaxe bei versuchter Vergewaltigung ohne Penetration
Bei einer versuchten Vergewaltigung ohne Penetration und ohne äußere Verletzungszeichen ist eine HIV-PEP in der Regel NICHT routinemäßig indiziert, jedoch erfordert jeder Fall eine individuelle Risikobewertung basierend auf der Art des Kontakts und dem HIV-Status der Täterquelle.
Entscheidungsalgorithmus für HIV-PEP nach sexuellem Übergriff
Die aktuellsten CDC-Richtlinien von 2025 1 bieten einen klaren Rahmen:
Wann HIV-PEP empfohlen wird:
- Analer oder vaginaler Geschlechtsverkehr ohne Kondom innerhalb von ≤72 Stunden
- Quelle mit bekannter HIV-Infektion oder unbekanntem HIV-Status
- Quelle mit Virämie oder unbekanntem Suppressionsstatus
Wann HIV-PEP NICHT routinemäßig empfohlen wird:
- Oral-genitaler Kontakt ohne Kondom 1
- Intaktes Kondom wurde verwendet
- Kein penetrativer Kontakt
Spezifische Überlegungen bei versuchter Vergewaltigung ohne Penetration
Das Fehlen von Penetration und äußeren Verletzungen reduziert das HIV-Übertragungsrisiko erheblich. Die CDC-Richtlinien kategorisieren oral-genitalen Kontakt als "nicht routinemäßig empfohlen" für PEP 1. Ohne Penetration liegt das Transmissionsrisiko noch niedriger.
Wichtige Ausnahmen - Fall-zu-Fall-Bewertung erforderlich:
Sie müssen dennoch folgende Faktoren evaluieren:
- Art des Kontakts: Gab es Schleimhautkontakt mit potenziell infektiösen Körperflüssigkeiten?
- HIV-Status der Quelle: Ist die Quelle bekanntermaßen HIV-positiv mit Virämie?
- Zeitfenster: Sind seit der Exposition <72 Stunden vergangen?
- Versteckte Verletzungen: Können Mikroverletzungen der Schleimhäute trotz fehlender äußerer Zeichen vorliegen?
Praktisches Vorgehen
Wenn innerhalb von 72 Stunden nach Exposition:
Sofortige Risikobewertung durchführen
- Genaue Dokumentation der Art des Kontakts
- HIV-Status der Quelle ermitteln (wenn möglich)
- Schleimhautkontakt mit Blut, Sperma oder Vaginalsekreten?
Bei fehlendem penetrativem Kontakt:
- PEP ist nicht routinemäßig indiziert 1
- Ausnahme: Wenn dokumentierter Schleimhautkontakt mit Körperflüssigkeiten einer bekannt HIV-positiven Quelle
Beratung und Unterstützung priorisieren:
- Umfassende Versorgung nach sexuellem Übergriff 1
- STI-Screening und Prophylaxe
- Notfallkontrazeption
- Psychosoziale Unterstützung
- Forensische Untersuchung wenn indiziert
Wichtige Fallstricke
Häufige Fehler vermeiden:
- Nicht automatisch PEP ablehnen ohne gründliche Anamnese - versteckte Penetration oder Schleimhautverletzungen können vorliegen
- Zeitfenster beachten: PEP muss innerhalb von 72 Stunden begonnen werden, idealerweise so schnell wie möglich 2, 1
- Expertenkonsultation nutzen: Bei Unsicherheit CDC PEPline kontaktieren (888-448-4911) 1
- Follow-up sicherstellen: Auch ohne PEP ist HIV-Testing nach 4-6 und 12 Wochen indiziert 1
Wenn PEP doch indiziert ist
Bevorzugte Regime für 28 Tage 1:
- Bictegravir/Emtricitabin/Tenofovir-Alafenamid (BIC/FTC/TAF)
- Dolutegravir plus (TAF oder TDF) plus (FTC oder 3TC)
Erste Dosis so schnell wie möglich verabreichen - moderne antiretrovirale Medikamente sind deutlich sicherer und besser verträglich als frühere Regime 1.
Zusammenfassung der Evidenz
Die aktuellsten CDC-Richtlinien von 2025 1 klassifizieren Expositionen ohne anale oder vaginale Penetration als "nicht routinemäßig empfohlen" für PEP. Dies basiert auf dem sehr niedrigen Transmissionsrisiko bei nicht-penetrativem Kontakt. Die Entscheidung muss jedoch die spezifischen Umstände berücksichtigen, insbesondere bei bekannter HIV-positiver Quelle mit Virämie.