Antipsychotika nach Prävalenz extrapyramidaler Symptome (EPS)
Typische Antipsychotika sollten nach Möglichkeit vermieden werden, da sie mit erheblichen extrapyramidalen Symptomen verbunden sind – bei älteren Patienten entwickeln bis zu 50% nach 2 Jahren kontinuierlicher Anwendung eine irreversible tardive Dyskinesie. 1
Rangfolge nach EPS-Risiko (vom niedrigsten zum höchsten):
Niedrigstes EPS-Risiko: Atypische Antipsychotika
Die atypischen Antipsychotika haben ein deutlich vermindertes Risiko für extrapyramidale Symptome und tardive Dyskinesie im Vergleich zu typischen Antipsychotika 1:
Quetiapin (Seroquel): Besonders sedierend, aber mit dem geringsten EPS-Risiko unter den Atypika. Vorsicht bei transienter Orthostase 1
Olanzapin (Zyprexa): Allgemein gut verträglich mit minimalem EPS-Risiko 1
Risperidon (Risperdal): EPS können bei Dosen ≥2 mg/Tag auftreten. Bei niedrigen Dosen gut verträglich 1
Ziprasidon: Bemerkenswert ist die Abwesenheit von Bewegungsstörungen, einschließlich extrapyramidaler Symptome, Dystonie und Hypertonie 2
Mittleres EPS-Risiko: Typische Antipsychotika mit "Zwischen-Profil"
Diese Wirkstoffe haben ein moderates Nebenwirkungsprofil 1:
- Trifluoperazin (Stelazine)
- Molindon (Moban)
- Perphenazin (Trilafon)
- Loxapin (Loxitane)
Höchstes EPS-Risiko: Hochpotente typische Antipsychotika
Diese sollten als Zweitlinientherapie nur bei Patienten eingesetzt werden, die atypische Antipsychotika nicht vertragen oder nicht darauf ansprechen 1:
- Haloperidol (Haldol): Höchstes EPS-Risiko, aber am besten untersuchte Evidenzbasis 2
- Fluphenazin (Prolixin)
- Thiotixen (Navane)
Wichtige klinische Überlegungen:
Bei Auftreten von EPS unter typischen Antipsychotika:
- Dosisreduktion durchführen
- Auf ein anderes Präparat wechseln
- Vermeiden Sie die Anwendung von Benztropin (Cogentin) oder Trihexyphenidyl (Artane) 1
Anticholinergika sollten nicht routinemäßig zur Prävention von EPS eingesetzt werden. Kurzfristige Anwendung kann nur bei Patienten mit signifikanten EPS in Betracht gezogen werden, wenn Dosisreduktion und Wechselstrategien unwirksam waren oder wenn die Nebenwirkungen akut oder schwerwiegend sind 3
Aktuelle Verschreibungsmuster:
In der klinischen Praxis zeigen neuere Daten, dass Risperidon am häufigsten verschrieben wird (35,4-42% der Verschreibungen), gefolgt von Olanzapin (27,3%) 4, 5, 6. Aripiprazol wird in einigen Regionen ebenfalls häufig verschrieben 7. Die Verschreibungstrends zeigen eine deutliche Präferenz für atypische Antipsychotika der zweiten Generation aufgrund ihres günstigeren EPS-Profils 4, 5, 6.
Wichtiger Hinweis: Die Leitlinien empfehlen primär Haloperidol oder Chlorpromazin in ressourcenbeschränkten Settings, wobei atypische Antipsychotika der zweiten Generation (außer Clozapin) als Alternative gelten, wenn Verfügbarkeit gewährleistet und Kosten kein Hindernis sind 3. In der Praxis sollte jedoch das EPS-Risiko bei der Auswahl priorisiert werden, um Morbidität und Lebensqualität zu optimieren.