Antipsychotika nach Risiko für EPMS, Hyponatriämie und Krampfschwellensenkung
Basierend auf der aktuellen Evidenz zeigen Antipsychotika deutlich unterschiedliche Risikoprofile für extrapyramidale Symptome (EPMS), Hyponatriämie und Krampfschwellensenkung, wobei Clozapin das höchste Anfallsrisiko trägt, während typische Antipsychotika und hochdosiertes Risperidon die höchsten EPMS-Raten aufweisen.
EPMS-Risiko (vom niedrigsten zum höchsten)
Niedrigstes Risiko:
- Clozapin - trägt das geringste EPMS-Risiko aller Antipsychotika 1, 2, 3
- Quetiapin - sehr niedriges EPMS-Risiko 1, 3
Niedriges bis moderates Risiko:
- Olanzapin - niedriges EPMS-Risiko 1, 3
- Ziprasidon - vergleichbar mit Olanzapin, bemerkenswert wenig Bewegungsstörungen 4
- Aripiprazol - niedriges Risiko 5
- Amisulprid - niedriges Risiko 5
Moderates bis hohes Risiko:
Höchstes Risiko:
- Haloperidol und andere hochpotente typische Antipsychotika - höchstes EPMS-Risiko 1
- Thioridazin, Thiothixen, Loxapin - typische Antipsychotika mit hohem EPMS-Risiko 1
Wichtiger Hinweis: Bei Jugendlichen kann das EPMS-Risiko höher sein als bei Erwachsenen 1. Risperidon zeigt dosisabhängige EPMS-Entwicklung - bei niedrigeren Dosen ist das Risiko geringer 3.
Hyponatriämie-Risiko
Höheres Risiko:
- Typische Antipsychotika - 3,1-fach erhöhtes Risiko für Hyponatriämie 6
- Atypische Antipsychotika - 2,1-fach erhöhtes Risiko 6
Die Evidenz zeigt, dass beide Antipsychotika-Klassen mit Hyponatriämie assoziiert sind, wobei typische Antipsychotika ein höheres Risiko tragen 6, 7. Bei älteren Erwachsenen (≥65 Jahre) mit atypischen Antipsychotika wurde ein 1,62-faches relatives Risiko für Hospitalisierung wegen Hyponatriämie innerhalb von 30 Tagen dokumentiert 7.
Risikofaktoren für Hyponatriämie:
- Höheres Alter bei Diagnosestellung
- Niedrigeres Einkommen
- Komorbide Erkrankungen
- Psychiatrische Hospitalisierungen
- Polypharmazie (besonders mit Carbamazepin: 2,9-faches Risiko) 6
Klinischer Fallstrick: 32,9% der Patienten mit Hyponatriämie waren zum Zeitpunkt des Auftretens nicht unter Antipsychotika, was darauf hinweist, dass andere Faktoren ebenfalls überwacht werden müssen 6.
Krampfschwellensenkung (vom niedrigsten zum höchsten Risiko)
Niedrigstes Risiko:
- Risperidon - signifikant niedrigeres Anfallsrisiko 5
- Quetiapin - signifikant niedrigeres Anfallsrisiko 5
- Amisulprid - signifikant niedrigeres Anfallsrisiko 5
- Aripiprazol - signifikant niedrigeres Anfallsrisiko 5
Moderates Risiko:
- Olanzapin - moderates Risiko 1
- Haloperidol und andere hochpotente Typika - relativ niedriges Risiko 5
Hohes Risiko:
- Chlorpromazin - unter den typischen Antipsychotika höheres Anfallsrisiko 5
Höchstes Risiko:
Wichtige Praxisempfehlung: Um das Anfallsrisiko zu minimieren: niedrige Anfangsdosis, langsame Titration, Überwachung der Plasmaspiegel, minimale effektive Dosis beibehalten 5.
Zusammenfassende Algorithmus-Empfehlung
Bei Auswahl eines Antipsychotikums:
Wenn EPMS-Vermeidung Priorität hat: Clozapin > Quetiapin > Olanzapin = Ziprasidon > niedrig dosiertes Risperidon > hochdosiertes Risperidon > typische Antipsychotika
Wenn Anfallsrisiko Hauptsorge ist: Risperidon/Quetiapin/Amisulprid/Aripiprazol > Olanzapin > typische Antipsychotika (außer Chlorpromazin) > Chlorpromazin > Clozapin (höchstes Risiko)
Bei Hyponatriämie-Risiko: Atypische Antipsychotika bevorzugen (2,1-faches Risiko) gegenüber typischen (3,1-faches Risiko); engmaschige Elektrolytkontrollen bei älteren Patienten, Polypharmazie und Komorbidität 6, 7
Besondere Populationen:
- Jugendliche: Höheres EPMS- und möglicherweise Anfallsrisiko; besondere Vorsicht bei Clozapin 1
- Ältere Patienten: Erhöhtes Hyponatriämie-Risiko; engmaschige Überwachung erforderlich 7
- Parkinson-Patienten: Clozapin ist effektiv und relativ gut verträglich; Quetiapin kann toleriert werden; Olanzapin, Risperidon nicht empfohlen 3