Kratzspuren im Gesicht (c) sind NICHT hinweisend auf Kindesmisshandlung
Kratzspuren im Gesicht sind das einzige der genannten Zeichen, das NICHT spezifisch für Kindesmisshandlung ist, da diese häufig durch Selbstverletzung bei Säuglingen und Kleinkindern entstehen können.
Hochspezifische Zeichen für Kindesmisshandlung
Die anderen vier genannten Befunde sind alle stark mit Kindesmisshandlung assoziiert:
Subdurale Hämatome (a)
- Subduralhämatome sind die häufigste intrakranielle Auffälligkeit bei Misshandlung 1
- Besonders verdächtig sind bilaterale, interhemisphärische oder in der hinteren Schädelgrube lokalisierte Subduralhämatome
- Bei 29% der misshandelten Kinder ohne klinischen Verdacht auf intrakranielle Verletzung zeigt die Bildgebung Subduralhämatome 1
- Subduralhämatome treten bei Misshandlung signifikant häufiger auf als bei akzidentellem Trauma 2
Retinablutungen (b)
- Retinablutungen sind fast nie ohne intrakranielle Blutung vorhanden 3
- Stark assoziiert mit subduralen Hämatomen bei Misshandlung 3, 4
- Kinder mit subduralen Hämatomen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Retinablutungen und sollten routinemäßig ophthalmologisch untersucht werden 4
- Multilayer-Retinablutungen, Retinoschisis und Glaskörperblutungen sind besonders verdächtig 2, 5
Hämatome paravertebral (d)
- Hämatome an ungewöhnlichen Lokalisationen (Torso, Rücken, paravertebral) sind hochverdächtig
- Besonders bei nicht-mobilen Säuglingen sind Hämatome am Rumpf stark misshandlungsverdächtig
- Die TEN-4-Regel besagt: Hämatome am Torso, Ohren und Nacken bei Kindern unter 4 Jahren sind verdächtig 6
Frakturen (e)
- Frakturen treten bei bis zu 55% der misshandelten Kinder auf 1
- Hochspezifisch für Misshandlung sind:
Wichtiger Kontext zu Kratzspuren
Kratzspuren im Gesicht entstehen häufig durch:
- Selbstverletzung durch ungekürzte Fingernägel bei Säuglingen
- Normale Exploration und Bewegungen
- Juckreiz bei Hauterkrankungen
Diese sind nicht spezifisch für Misshandlung und können bei gesunden Kindern in normaler Umgebung auftreten, im Gegensatz zu den anderen vier genannten Befunden, die alle hochgradig mit nicht-akzidentellem Trauma assoziiert sind.