Zusammenhang zwischen Migräne und Menstruation
Die Menstruation ist eine wichtige Ausnahme unter den Migräne-Triggerfaktoren, da bei einigen Frauen Migräneattacken ausschließlich oder häufig menstruationsbedingt auftreten 1.
Epidemiologie und klinische Bedeutung
Etwa 8% der Frauen mit Migräne erleben Attacken, die ausschließlich mit ihrer Menstruation zusammenhängen – dies wird als "reine menstruelle Migräne" bezeichnet 1. Die Attacken treten typischerweise im perimenstruellem Fenster auf (Tag -2 bis Tag +3, wobei Tag +1 der erste Blutungstag ist) 2.
Wichtige klinische Merkmale menstrueller Migräne:
- Tritt meist ohne Aura auf
- Ist schwerer und länger anhaltend als nicht-menstruelle Migräne
- Zeigt sich resistenter gegenüber Behandlung 3
- Die Odds für Migränetage erhöhen sich während des perimenstruellem Fensters um 34% 2
Pathophysiologie
Der Abfall der Östrogenspiegel wird als Hauptmechanismus angesehen. Dieser erhöht die Empfindlichkeit der Blutgefäße gegenüber Prostaglandinen und moduliert das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) im trigeminovaskulären System 4.
Behandlungsalgorithmus
Akuttherapie
Erste Wahl: NSAIDs (Ibuprofen, Diclofenac-Kalium, Acetylsalicylsäure) 1
Zweite Wahl: Triptane bei unzureichender NSAID-Wirkung 1
- Rizatriptan zeigt die beste Evidenz mit 33-73% Schmerzfreiheit nach 2 Stunden 3
Perimenstruelle Kurzprophylaxe
Wenn optimierte Akuttherapie nicht ausreicht, sollte eine perimenstruelle Prophylaxe eingeleitet werden 1:
- Langwirksames NSAID (z.B. Naproxen) ODER
- Langwirksames Triptan (z.B. Frovatriptan oder Naratriptan)
- Dosierung: Täglich für 5 Tage, beginnend 2 Tage vor dem erwarteten ersten Menstruationstag 1
Hormonelle Optionen
Bei reiner menstrueller Migräne ohne Aura:
- Kontinuierliche kombinierte hormonelle Kontrazeptiva (ohne Pillenpause) können vorteilhaft sein 1
ABSOLUTE KONTRAINDIKATION:
- Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva sind bei Migräne mit Aura kontraindiziert aufgrund eines erhöhten Schlaganfallrisikos 1
Wichtige Fallstricke
Variabilität beachten: Die Assoziation zwischen Menstruation und Migräne variiert mehr innerhalb derselben Frau über verschiedene Zyklen als zwischen verschiedenen Frauen 2. Dies bedeutet, dass nicht jeder Zyklus gleich ist.
Diagnostische Anforderung: Für eine sichere Diagnose sollten mindestens 3 Zyklen dokumentiert werden, idealerweise mit einem zusätzlichen perimenstruellem Fenster 5.
Nicht überbewerten: Trotz des klaren Zusammenhangs bei einigen Frauen sollte die Rolle von Triggerfaktoren generell nicht überbewertet werden – echte Triggerfaktoren sind oft selbstevident 1.
Medikamentenübergebrauch vermeiden: Häufiger wiederholter Gebrauch von Akutmedikation birgt das Risiko eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes 1.