Behandlung der generalisierten Angststörung (GAD)
Für Erwachsene mit generalisierter Angststörung sind SSRIs (insbesondere Escitalopram oder Sertralin) oder SNRIs (Duloxetin oder Venlafaxin) die empfohlene medikamentöse Erstlinientherapie, kombiniert mit kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) wenn verfügbar.
Medikamentöse Erstlinientherapie
Die Evidenz aus aktuellen Leitlinien und Forschung zeigt folgende Hierarchie:
Bevorzugte SSRIs:
- Escitalopram: Zeigt die beste Wirksamkeit unter den SSRIs mit einer mittleren gewichteten Differenz von -3,2 auf der Hamilton-Angst-Skala 1
- Sertralin: Wird besonders für ältere Erwachsene empfohlen aufgrund des günstigen Nebenwirkungsprofils 2
SNRIs als gleichwertige Alternative:
- Duloxetin: Zeigt vergleichbare Wirksamkeit wie Escitalopram und ist das einzige SNRI mit FDA-Zulassung für GAD bei Kindern/Jugendlichen ab 7 Jahren 3, 1
- Venlafaxin: Gut etablierte Evidenz, erfordert aber Blutdruckmonitoring 4
Die Wahl zwischen SSRI und SNRI sollte basieren auf:
- Komorbiditäten: SNRIs bei komorbiden Schmerzzuständen bevorzugen
- Nebenwirkungsprofil: SSRIs bei sexuellen Nebenwirkungen problematisch
- Frühere Behandlungsresponse
Psychotherapeutische Erstlinientherapie
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die empfohlene psychotherapeutische Intervention 5:
- Format: Einzeltherapie bevorzugt (14 Sitzungen à 60-90 Minuten über 4 Monate)
- Gruppentherapie: Akzeptable Alternative (12 Sitzungen à 120-150 Minuten über 3 Monate)
- Modelle: Clark & Wells Modell oder Heimberg Modell
- Kernelemente: Psychoedukation, kognitive Umstrukturierung, graduelle Exposition
Wenn face-to-face KVT nicht gewünscht oder verfügbar: Angeleitete Selbsthilfe basierend auf KVT 5
Zweitlinienoptionen bei unzureichendem Ansprechen
Nach 8 Wochen ohne ausreichende Symptomreduktion:
- Wechsel zu anderem SSRI/SNRI aus der Erstlinie
- Pregabalin: Robuste Evidenz, schneller Wirkungseintritt, geringes Missbrauchspotential 6, 7
- Buspirone: Option für relativ gesunde ältere Erwachsene, wenn sexuelle Nebenwirkungen vermieden werden sollen 2
Drittlinienoptionen
- Quetiapin: Beste Evidenz unter atypischen Antipsychotika, vergleichbare Wirksamkeit zu SSRIs in niedriger Dosierung, aber schlechtere Verträglichkeit (metabolische Nebenwirkungen) 6, 8, 4
- Gabapentin: Alternative zu Pregabalin 2
Wichtige Warnhinweise
Benzodiazepine:
Vorsicht geboten - Nur zeitlich begrenzt gemäß psychiatrischen Leitlinien verwenden 9:
- Erhöhtes Missbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko
- Kognitive Beeinträchtigung
- Besonders problematisch bei älteren Erwachsenen 2
Monitoring:
- Suizidalität: Alle Antidepressiva tragen Black-Box-Warnung für Patienten bis 24 Jahre 3
- Blutdruck/Puls: Bei SNRIs regelmäßig kontrollieren 3
- Leberfunktion: Bei Duloxetin (Hepatotoxizitätsrisiko) 3
- Monatliche Nachsorge bis Symptomkontrolle erreicht 9
Behandlungsalgorithmus
- Start: SSRI (Escitalopram/Sertralin) ODER SNRI (Duloxetin/Venlafaxin) + KVT wenn verfügbar
- Nach 8 Wochen ohne Response: Wechsel zu anderem SSRI/SNRI
- Nach zweitem Versagen: Pregabalin oder Buspirone
- Nach drittem Versagen: Quetiapin erwägen
Die Kombination von Pharmakotherapie und KVT ist klinisch wünschenswert und zeigt bessere Ergebnisse als Monotherapie 7.