Differenzierung zwischen Spondylodiszitis und subakuter Impressionsfraktur im MRT
Die Unterscheidung erfolgt primär durch spezifische MRT-Merkmale: Bei Spondylodiszitis zeigen sich charakteristischerweise Bandscheibenveränderungen mit Hyperintensität in T2, Kontrastmittelaufnahme der Bandscheibe und angrenzenden Wirbelkörper, sowie Endplattendestruktion, während bei subakuten Kompressionsfrakturen typischerweise ein "low signal intensity band", erhaltenes normales Knochenmarksignal, Retropulsion und das "Fluid Sign" ohne Bandscheibenbeteiligung auftreten. 1, 2
Schlüsselmerkmale der Spondylodiszitis im MRT
Die ACR-Leitlinien betonen, dass MRT mit und ohne Kontrastmittel die höchste diagnostische Genauigkeit aufweist (Sensitivität 96%, Spezifität 94%) 1. Die charakteristische MRT-Trias der Spondylodiszitis umfasst 3:
- T1-gewichtete Sequenzen: Hypointense Wirbelkörper (100% der Fälle) mit fehlender Abgrenzung zur Bandscheibe (53%)
- Kontrastmittelgabe: Enhancement der betroffenen Wirbelkörper (95%) und der Bandscheibe (74%)
- T2-gewichtete Sequenzen: Hyperintense Wirbelkörper (76%) und Bandscheiben (90%)
Spezifische Infektionszeichen
Die folgenden Merkmale sind hochspezifisch für Spondylodiszitis 2, 4:
- Bandscheibenbeteiligung: Erhöhte oder erhaltene Bandscheibenhöhe (nicht reduziert wie bei Degeneration)
- Endplattendestruktion: Erosion der angrenzenden Wirbelkörperendplatten
- Kontinuierliche Beteiligung: Zwei benachbarte Wirbelkörper mit dazwischenliegender Bandscheibe
- Paravertebrale/epidurale Abszesse: Flüssigkeitsansammlungen mit peripherem Enhancement
- Extensive Hyperintensität: Ausgedehnte Signalanhebung in STIR/T2-Sequenzen von Wirbelkörper UND Bandscheibe
Wichtiger Hinweis: Die Diffusionsgewichtung (DWI) kann zusätzlich helfen, akute infektiöse Spondylitis von reaktiven Endplattenveränderungen (Modic Typ 1) zu unterscheiden und Abszesse zu identifizieren 1.
Schlüsselmerkmale der subakuten Kompressionsfraktur
Osteoporotische/traumatische Frakturen zeigen ein deutlich anderes Muster 2:
Fraktur-spezifische Zeichen
- Low signal intensity band: Hypointense Linie in T1- und T2-Sequenzen parallel zur Endplatte
- Erhaltenes normales Knochenmarksignal: Areale mit normalem Fettsignal innerhalb des frakturierten Wirbelkörpers
- Retropulsion: Dorsale Verlagerung von Knochenfragmenten in den Spinalkanal
- Fluid Sign: Flüssigkeitsansammlung innerhalb des Wirbelkörpers (nicht paravertebral)
- Facettengelenk-Signalveränderungen: Entzündliche Veränderungen der Facettengelenke auf Höhe der akuten Fraktur 5
Entscheidende Unterschiede
Die Bandscheibe bleibt bei Frakturen typischerweise ausgespart - keine Hyperintensität, kein Enhancement, keine Höhenveränderung. Dies ist der wichtigste Unterscheidungspunkt 2, 3.
Diagnostischer Algorithmus
Initiale MRT-Bewertung (T1, T2/STIR, T1+KM mit Fettsättigung):
- Bandscheibenbeteiligung vorhanden? → Spondylodiszitis wahrscheinlich
- Bandscheibe normal, aber Wirbelkörperfraktur? → Kompressionsfraktur wahrscheinlich
Bei Bandscheibenbeteiligung prüfen:
- Endplattendestruktion + paravertebrale Abszesse → Spondylodiszitis bestätigt
- Erhaltene/erhöhte Bandscheibenhöhe → Spondylodiszitis (akute/subakute Phase) 4
Bei isolierter Wirbelkörperveränderung prüfen:
- Low signal band + erhaltenes Marksignal + Retropulsion → Fraktur bestätigt
- Diffuse Hyperintensität ohne strukturelle Merkmale → Weitere Abklärung nötig
Bei unklaren Fällen:
Häufige Fallstricke
Frühe Spondylodiszitis: In den ersten 2-8 Wochen können radiologische Befunde subtil sein 1. MRT ist dennoch sensitiv, aber klinische Korrelation (Fieber, erhöhte Entzündungsparameter) ist entscheidend.
Postoperative Veränderungen: Innerhalb von 6 Wochen nach Wirbelsäulenoperation können normale postoperative Veränderungen eine Infektion imitieren 1. Hier ist die klinische Beurteilung besonders wichtig.
Chronische Spondylodiszitis: Kann mit reduzierter Bandscheibenhöhe und Sklerosierung einhergehen, was degenerative Veränderungen imitiert. CT zeigt hier höhere Sensitivität (95%) als MRT (80%) 4.
Modic Typ 1 Veränderungen: Reaktive Endplattenveränderungen können Infektionen imitieren. DWI-Sequenzen helfen bei der Differenzierung 1.
Kontrastmittel ist obligatorisch: MRT ohne Kontrastmittel kann zwar Hinweise liefern, aber die Kontrastmittelgabe ist essentiell zur Beurteilung von Abszessen, Phlegmonen und dem Ausmaß der Infektion 1. Immer Prä- und Post-Kontrastbilder vergleichen.