Strukturierte Herangehensweise an verschiedene Krankheitsbilder in der medizinischen Praxis
Die optimale Behandlung erfordert einen umfassenden, individualisierten Ansatz, der auf einer gründlichen Erstbeurteilung basiert und die Präferenzen des Patienten berücksichtigt, um die bestmöglichen Ergebnisse hinsichtlich Morbidität, Mortalität und Lebensqualität zu erzielen. 1
Allgemeine Prinzipien der Patientenbeurteilung
Die Erstbeurteilung sollte einen biopsychosozialen Ansatz verfolgen und folgende Elemente umfassen 1:
Physischer Status:
- Schmerzen und deren Charakteristika
- Müdigkeit und Schlafqualität
- Status der unteren Extremitätengelenke (Fuß, Knie, Hüfte)
- Mobilität, Kraft, Gelenkausrichtung
- Propriozeption und Haltung
- Komorbiditäten
- Gewicht
Aktivitäten des täglichen Lebens
Teilnahme (Arbeit/Bildung, Freizeit, soziale Rollen)
Stimmung
Gesundheitsbildungsbedürfnisse, Gesundheitsüberzeugungen und Motivation zur Selbstversorgung
Spezifische Herangehensweise bei Knieverletzungen
Diagnostisches Vorgehen
Klinische Untersuchung:
- Lachman-Test
- Schubladentest
- Pivot-Shift-Test
- Beurteilung der peripheren Durchblutung, Motorik und Sensibilität (pDMS)
Bildgebende Verfahren:
- Röntgen in 2 Ebenen nur bei Verdacht auf Begleitfrakturen
- MRT bei unklaren Befunden oder zur Operationsplanung
Therapie
- Akutphase: PECH-Schema (Pause, Eis, Kompression, Hochlagerung)
- Rehabilitationsphase: Individualisiertes Übungsprogramm mit regelmäßiger Evaluation 1
Besonderheiten bei Unhappy Triad
- Kombinationsverletzung aus:
- Ruptur des vorderen Kreuzbandes
- Ruptur des medialen Kollateralbandes
- Ruptur des medialen Meniskus
Management von Appendizitis
Diagnostisches Vorgehen
Klinische Untersuchung:
Laboruntersuchungen:
- Leukozytose (beachte: Diabetiker können niedrigere Werte aufweisen) 3
- CRP-Erhöhung
Bildgebende Verfahren:
- Point-of-Care-Ultraschall (ED-POCUS) als erste Wahl (LR+ = 9,24) 2
- CT bei unklarem Ultraschallbefund
Besonderheiten bei Diabetikern
- Höheres Risiko für Perforation (OR 1,093) 4
- Oft afebrile Präsentation (83,3% mit Temperatur <38°C) 5
- Postoperative Hyperglykämie (durchschnittlich bis 382 mg/dl) 5
- Längerer Krankenhausaufenthalt 4
Management von Diabetes mellitus
Diagnostisches Vorgehen
Laboruntersuchungen:
Screening auf Komplikationen:
- Jährliche Fußuntersuchung mit 10-g-Monofilament plus Prüfung der Schmerzempfindung, Vibrationswahrnehmung oder Knöchelreflexe 1
- Inspektion der Hautintegrität, Identifizierung von Knochendeformitäten und Beurteilung der Fußpulse
Therapie
Insulintherapie:
- Intensivierte Insulintherapie mit Basis- und Bolusinsulin
- Basalinsulin: Insulin glargin (Lantus)
- Kurzwirksames Insulin: Insulin lispro (Humalog)
- Dosierung individuell anpassen, typischerweise 1-2 IE pro 10-12g Kohlenhydrate 1
Vermeidung von Komplikationen:
- Regelmäßiger Wechsel der Injektionsstellen zur Vermeidung von Lipodystrophie
- Engmaschige Blutzuckerkontrollen
- Schulung zur Selbstversorgung 1
Management von Osteoarthritis
Diagnostisches Vorgehen
Klinische Untersuchung:
- Beurteilung von Schmerzen, Steifigkeit und Funktionseinschränkungen
- Beurteilung von Gelenkdeformitäten und Bewegungseinschränkungen
Bildgebende Verfahren:
- Röntgenaufnahmen zur Beurteilung struktureller Veränderungen
- MRT nur bei spezifischen Fragestellungen
Therapie
Ein umfassendes Behandlungspaket sollte folgende Kernkomponenten enthalten 1:
- Information und Aufklärung über Osteoarthritis
- Anpassung und Dosierung der Aktivität
- Individualisiertes Übungsprogramm:
- Gehen
- Kräftigung
- Neuromuskuläres Training
- Wassergymnastik
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht oder Adipositas
- Reduktion ungünstiger mechanischer Faktoren (z.B. geeignetes Schuhwerk)
- Berücksichtigung von Gehhilfen und Hilfstechnologien
Wichtige Hinweise zur Implementierung
Individualisierung der Behandlung unter Berücksichtigung von:
- Wünschen und Erwartungen des Patienten
- Lokalisation der Erkrankung
- Risikofaktoren (Alter, Geschlecht, Komorbiditäten, Adipositas)
- Entzündungszeichen
- Schweregrad der strukturellen Veränderungen
- Schmerzniveau und Einschränkung der täglichen Aktivitäten 1
Strukturiertes Follow-up:
- Kurzfristige und langfristige Ziele festlegen
- Interventions- oder Aktionspläne erstellen
- Regelmäßige Evaluation und Nachsorge mit Anpassungsmöglichkeiten 1
Vermeidung häufiger Fehler:
- Unzureichende Differenzierung zwischen konservativer und operativer Therapie
- Mangelnde Berücksichtigung aktueller Leitlinien
- Fehlende systematische Herangehensweise nach etablierten Schemata
Die Behandlungsentscheidungen sollten stets auf den neuesten Leitlinien basieren und regelmäßig überprüft werden, um die bestmöglichen Ergebnisse für den Patienten zu erzielen.