Initial Management of Patients with Unspecified Symptoms
Bei Patienten mit unspezifischen Symptomen sollte die initiale Behandlung eine systematische Bewertung der Symptome, eine Risikostratifizierung und eine gezielte diagnostische Abklärung umfassen, wobei die Schwere der Symptome und das Vorhandensein von Alarmsignalen die Dringlichkeit und den Umfang der Untersuchungen bestimmen.
Erstbewertung und Risikostratifizierung
Die Erstbewertung eines Patienten mit unspezifischen Symptomen sollte folgende Elemente enthalten:
Risikostratifizierung basierend auf:
- Schwere der Symptome
- Dauer der Symptome (akut vs. chronisch)
- Vorhandensein von Alarmsignalen
- Grunderkrankungen des Patienten
Identifizierung von Alarmsignalen:
- Hämodynamische Instabilität
- Kürzliche Synkope oder Präsynkope
- Brustschmerzen oder Atemnot in Ruhe für mehr als 20 Minuten
- Neurologische Defizite
- Hohes Fieber mit Beeinträchtigung des Allgemeinzustands
Management-Algorithmus
Für Patienten mit hohem Risiko:
- Sofortige Überweisung in eine Notaufnahme oder spezialisierte Einheit 1
- Indikationen für sofortige Überweisung:
- Brustschmerzen oder andere ischämische Symptome in Ruhe für mehr als 20 Minuten
- Hämodynamische Instabilität
- Kürzliche Synkope oder Präsynkope 1
Für Patienten mit mittlerem Risiko:
- Überweisung in eine Notaufnahme, Brustschmerzeinheit oder geeignete ambulante Einrichtung 1
- Diagnostische Tests je nach klinischem Verdacht:
Für Patienten mit niedrigem Risiko:
- Bei Symptomen von weniger als vier Wochen Dauer: Beruhigung, rezeptfreie Medikamente und "wachsames Abwarten" 1
- Bei Symptomen von mehr als vier Wochen Dauer ohne Alarmsignale: Gezielte Diagnostik basierend auf den vorherrschenden Symptomen 1
Spezifische diagnostische Überlegungen
Bei Verdacht auf kardiale Ursachen:
- EKG innerhalb von 10 Minuten nach Ankunft in der Notaufnahme 1
- Serielle EKGs alle 15-30 Minuten bei anhaltenden Symptomen und hohem klinischen Verdacht 1
- Kardiale Biomarker bei allen Patienten mit Brustschmerzen 1
- Troponin ist der bevorzugte Marker und sollte bei allen Patienten mit Brustschmerzen gemessen werden 1
Bei Verdacht auf neurologische Ursachen:
- Neurologische Untersuchung
- Je nach klinischem Bild:
Bei Verdacht auf gastrointestinale Ursachen:
- Bei Dyspepsie ohne Alarmsymptome: Test auf H. pylori-Infektion und Behandlung bei positivem Befund 1
- Bei epigastrischen Schmerzen als Hauptsymptom: Protonenpumpenhemmer in voller Dosis 1
Wichtige Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
Unterschätzung der Symptomschwere:
- Patienten mit unspezifischen Symptomen können schwerwiegende Erkrankungen haben, die sich atypisch präsentieren
- Besonders bei älteren Patienten können sich schwere Erkrankungen mit atypischen Symptomen manifestieren 1
Verzögerung der Diagnose:
- Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Symptomen trotz initialer Behandlung sollte eine umfassendere Diagnostik erfolgen
- Selbstmedikation kann zu Verzögerungen bei der Suche nach ärztlicher Hilfe führen 1
Übersehen nicht-kardialer Ursachen:
- Die Erstuntersuchung sollte auch nicht-koronare Ursachen für die Entwicklung unerklärter Symptome berücksichtigen 1
- Metabolische, infektiöse und andere systemische Erkrankungen können sich mit unspezifischen Symptomen präsentieren
Mangelnde Nachsorge:
- Klare Anweisungen für Nachuntersuchungen und Warnzeichen, die eine sofortige Wiedervorstellung erfordern, sind entscheidend
- Patienten mit negativen Biomarkern innerhalb von 6 Stunden nach Symptombeginn sollten eine erneute Messung im Zeitraum von 8-12 Stunden nach Symptombeginn erhalten 1
Die initiale Behandlung unspezifischer Symptome erfordert einen strukturierten Ansatz, der die Risikostratifizierung und gezielte diagnostische Tests umfasst. Die Entscheidung über den Umfang und die Dringlichkeit der Untersuchungen sollte auf der Schwere der Symptome, dem Vorhandensein von Alarmsignalen und dem klinischen Gesamtbild basieren.