COVID-19 Convalescent Plasma in Deutschland
COVID-19 Konvaleszenzplasma ist in Deutschland nicht mehr allgemein empfohlen und sollte für die meisten COVID-19-Patienten nicht verwendet werden, da es keine Verbesserung der Mortalität oder des klinischen Verlaufs bei den meisten Patienten zeigt.
Aktuelle Empfehlungen zur Konvaleszenzplasma-Therapie
Die Verwendung von COVID-19-Konvaleszenzplasma (CCP) wird durch aktuelle Leitlinien stark eingeschränkt:
Die EULAR-Leitlinien (European League Against Rheumatism) von 2022 sprechen sich deutlich gegen die Verwendung von Konvaleszenzplasma bei Patienten ohne Hypogammaglobulinämie und mit Symptombeginn vor mehr als 5 Tagen aus 1.
Die AABB-Leitlinien (Association for the Advancement of Blood and Biotherapies) von 2022 empfehlen:
- Gegen die Transfusion von CCP für nicht-selektierte hospitalisierte Personen mit mittelschwerer oder schwerer Erkrankung (starke Empfehlung, hochwertige Evidenz) 1.
- Eine mögliche Verwendung nur für bestimmte Untergruppen:
- Ambulante Patienten mit hohem Risiko für Krankheitsprogression
- Hospitalisierte Patienten ohne nachweisbare SARS-CoV-2-Antikörper
- Patienten mit vorbestehender Immunsuppression 1
Spezifische Situationen für mögliche Anwendung
In Deutschland würde die Verwendung von CCP daher nur in folgenden Situationen in Betracht gezogen:
Ambulante Patienten mit hohem Risiko: Frühes Stadium (innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn) und hohes Risiko für schweren Verlauf 1
Immunsupprimierte Patienten: Patienten mit eingeschränkter Immunantwort könnten von CCP profitieren 1
Seronegative Patienten: Hospitalisierte Patienten ohne nachweisbare SARS-CoV-2-Antikörper 1
Wichtige Einschränkungen und Risiken
Die Therapie mit CCP hat sich in mehreren großen randomisierten Studien als unwirksam für die allgemeine COVID-19-Patientenpopulation erwiesen 2.
Die Wirksamkeit hängt stark vom Antikörpertiter im Plasma und dem Zeitpunkt der Verabreichung ab - nur hochtitriges Plasma innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn zeigt überhaupt einen möglichen Nutzen 3.
Risiken der Plasmatransfusion umfassen:
- Transfusionsreaktionen (selten, <0,5%)
- Transfusionsassoziierte Lungeninsuffizienz (TRALI)
- Transfusionsassoziierte Kreislaufüberlastung (TACO) 4
Praktische Verfügbarkeit in Deutschland
Die Verfügbarkeit von CCP in Deutschland ist mittlerweile stark eingeschränkt, da:
- Neuere Therapieoptionen (monoklonale Antikörper, antivirale Medikamente) verfügbar sind
- Die Evidenz gegen eine breite Anwendung spricht
- Die Sammlung von CCP aufgrund der veränderten Empfehlungen reduziert wurde
Algorithmus für die Entscheidungsfindung
Ist der Patient ambulant mit hohem Risiko für schweren Verlauf?
- Wenn ja: CCP könnte erwogen werden, wenn Symptombeginn <5 Tage
- Wenn nein: Weiter zu Punkt 2
Ist der Patient hospitalisiert?
- Wenn ja: Hat der Patient nachweisbare SARS-CoV-2-Antikörper?
- Wenn ja: CCP NICHT empfohlen
- Wenn nein: CCP könnte erwogen werden
- Wenn nein: Weiter zu Punkt 3
- Wenn ja: Hat der Patient nachweisbare SARS-CoV-2-Antikörper?
Ist der Patient immunsupprimiert?
- Wenn ja: CCP könnte erwogen werden
- Wenn nein: CCP NICHT empfohlen
Fazit
Für die meisten COVID-19-Patienten in Deutschland ist Konvaleszenzplasma keine empfohlene Therapieoption mehr. Nur in spezifischen Situationen (frühe Erkrankung mit hohem Risiko, Immunsuppression oder fehlende Antikörper) könnte es noch erwogen werden, wobei der Nutzen auch hier unsicher ist. Die Entscheidung sollte auf Basis der aktuellen Evidenz und unter Berücksichtigung der individuellen Risikofaktoren des Patienten getroffen werden.