Management eines 75-jährigen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, Ileumkonduit und Erkältungssymptomen
Bei einem 75-jährigen Patienten mit GFR 30, Ileumkonduit und Erkältungssymptomen mit Fieber von 38,5°C und Schnupfen ist eine ambulante Behandlung mit einem geeigneten Antibiotikum indiziert, wobei die Nierenfunktion und das erhöhte Risiko für Komplikationen berücksichtigt werden müssen.
Beurteilung des Risikos
Bei diesem Patienten liegen mehrere Risikofaktoren vor:
- Alter >65 Jahre
- Eingeschränkte Nierenfunktion (GFR 30)
- Ileumkonduit (urogenitale Vorerkrankung)
- Fieber 38,5°C
Diese Faktoren erhöhen das Risiko für:
- Schweren Verlauf einer Atemwegsinfektion 1
- Komplikationen durch die eingeschränkte Nierenfunktion 2
- Mögliche Beteiligung resistenter Erreger aufgrund des Ileumkonduits 1
Diagnostisches Vorgehen
Klinische Beurteilung der Schwere der Erkrankung:
- Vitalparameter (besonders auf Atemfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung achten)
- Auskultation der Lunge (fokale Auskultationsbefunde könnten auf eine Pneumonie hindeuten)
- Beurteilung des Hydratationszustands
Laboruntersuchungen:
- Blutbild mit Differentialblutbild
- CRP
- Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff)
- Elektrolyte
- Urinanalyse zum Ausschluss einer gleichzeitigen Harnwegsinfektion
Bildgebung:
- Röntgen-Thorax bei Verdacht auf Pneumonie (Dyspnoe, Tachypnoe, fokale Auskultationsbefunde) 1
Therapieentscheidung
Kriterien für eine stationäre Einweisung:
- Atemfrequenz >30/min
- Blutdruck <90/60 mmHg
- Sauerstoffsättigung <90%
- Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung
- Verschlechterung der Nierenfunktion
- Unfähigkeit zur oralen Medikamenteneinnahme 1
Ambulante Behandlung (wenn keine Kriterien für stationäre Einweisung):
Antibiotische Therapie:
- Bei GFR 30 muss die Dosierung angepasst werden
- Empfohlene Erstlinientherapie: Amoxicillin oder Amoxicillin/Clavulansäure in nierengerechter Dosierung 1
- Alternative bei Penicillinallergie: Makrolide (z.B. Azithromycin) 1
- Fluorchinolon (z.B. Ciprofloxacin) vermeiden wegen erhöhtem Risiko für Nebenwirkungen bei älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion 1, 3
Supportive Maßnahmen:
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5-2 Liter/Tag)
- Antipyretika bei Bedarf (Paracetamol bevorzugt)
- Engmaschige Überwachung der Nierenfunktion
Nachsorge:
- Klinische Kontrolle nach 48-72 Stunden
- Bei ausbleibender Besserung oder Verschlechterung: stationäre Einweisung erwägen
Besondere Überlegungen bei Ileumkonduit
Patienten mit Ileumkonduit haben ein erhöhtes Risiko für:
- Chronische Harnwegsinfektionen 4, 5
- Verschlechterung der Nierenfunktion über die Zeit 6
- Metabolische Komplikationen bei eingeschränkter Nierenfunktion 7
Daher ist besondere Vorsicht geboten:
- Regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion während der Behandlung
- Ausschluss einer gleichzeitigen Harnwegsinfektion
- Sorgfältige Überwachung auf Anzeichen einer Verschlechterung
Warnzeichen für eine Verschlechterung
Der Patient sollte sofort ärztliche Hilfe suchen bei:
- Zunehmender Atemnot
- Anhaltend hohem Fieber trotz Behandlung
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsveränderungen
- Abnahme der Urinproduktion
- Verstärkten Schmerzen
Die Prognose ist bei frühzeitiger und adäquater Behandlung in der Regel gut, jedoch erfordert die Kombination aus eingeschränkter Nierenfunktion, Ileumkonduit und höherem Alter eine engmaschige Überwachung, um Komplikationen zu vermeiden.