Behandlung eines 75-jährigen Patienten mit GFR 30, Ileumconduit, Erkältung und Fieber
Bei einem 75-jährigen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (GFR 30), Ileumconduit, Fieber von 38,5°C, Schnupfen und niedrigem Blutdruck (RR 90/60) sollte sofortige medizinische Betreuung erfolgen, wobei Novaminsulfon in reduzierter Dosierung von 500 mg 1-0-1 anstatt 2-2-2 eingesetzt werden kann.
Beurteilung der Situation
Risikofaktoren:
- Eingeschränkte Nierenfunktion (GFR 30 ml/min = CKD Stadium 3b)
- Höheres Alter (75 Jahre)
- Ileumconduit (erhöhtes Infektionsrisiko)
- Hypotonie (RR 90/60)
- Fieber (38,5°C)
Prioritäten:
- Kreislaufstabilisierung
- Behandlung der Infektion
- Fiebersenkung unter Berücksichtigung der Nierenfunktion
Sofortmaßnahmen
Kreislaufstabilisierung:
- Intravenöse Flüssigkeitszufuhr zur Kreislaufstabilisierung (vorsichtig bei eingeschränkter Nierenfunktion)
- Engmaschige Überwachung der Vitalparameter
- Lagerung mit leicht erhöhtem Oberkörper 1
Diagnostik:
- Blutbild, CRP, Procalcitonin
- Urinkultur (besonders wichtig bei Ileumconduit)
- Blutkultur bei Fieber >38,5°C
- Elektrolyte und Nierenretentionswerte
Medikamentöse Therapie
Fiebersenkung:
- Novaminsulfon (Metamizol) sollte bei eingeschränkter Nierenfunktion (GFR 30) in reduzierter Dosierung eingesetzt werden
- Empfehlung: 500 mg 1-0-1 statt 2-2-2 (Dosisreduktion um 50-66%)
- Paracetamol als Alternative möglich (max. 3g/Tag)
Antibiotische Therapie:
- Bei Verdacht auf bakterielle Infektion empirische Antibiotikatherapie einleiten
- Dosisanpassung entsprechend der Nierenfunktion erforderlich
- Vermeidung nephrotoxischer Antibiotika
Zu vermeidende Medikamente:
- NSAIDs (erhöhtes Risiko für akute Nierenschädigung) 1
- Nephrotoxische Antibiotika ohne Dosisanpassung
- Nitrofurantoin (kontraindiziert bei GFR <30 ml/min) 2
Besondere Überlegungen bei Nierenfunktionseinschränkung
Medikamentendosierung:
- Bei GFR 30 ml/min ist eine Dosisreduktion für viele Medikamente erforderlich 1
- Besondere Vorsicht bei Patienten mit Ileumconduit, da hier das Risiko für Elektrolytstörungen und Dehydratation erhöht ist 3
Flüssigkeitsmanagement:
- Ausreichende Hydratation sicherstellen
- Engmaschige Kontrolle der Nierenfunktion und Elektrolyte
- Überwachung der Urinausscheidung über das Ileumconduit
Wann ist eine stationäre Aufnahme indiziert?
Eine stationäre Aufnahme sollte erfolgen bei:
- Persistierender Hypotonie trotz Flüssigkeitsgabe
- Verschlechterung der Nierenfunktion
- Anzeichen einer systemischen Infektion
- Unzureichendes Ansprechen auf die ambulante Therapie innerhalb von 24-48 Stunden
Fazit
Die Behandlung eines älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, Ileumconduit und Infektzeichen erfordert besondere Vorsicht. Die Dosierung von Novaminsulfon sollte reduziert werden, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist sicherzustellen und eine engmaschige Überwachung der Nierenfunktion ist notwendig. Bei Verschlechterung des Zustands ist eine stationäre Aufnahme indiziert.