Medikamentendosierung berechnen und verdünnen
Die korrekte Berechnung und Verdünnung von Medikamenten basiert auf dem Gewicht des Patienten, der Darreichungsform und der spezifischen Indikation, wobei standardisierte Formeln und Tabellen verwendet werden sollten.
Grundprinzipien der Dosisberechnung
Gewichtsbasierte Dosierung
- Für die meisten pädiatrischen Patienten wird die Dosis nach Körpergewicht berechnet:
- Formel: Dosis = Dosierung (mg/kg) × Gewicht (kg)
- Beispiel: Bei einer Dosierung von 3 mg/kg für ein 10 kg schweres Kind: 3 mg/kg × 10 kg = 30 mg 1
Körperoberflächen-basierte Dosierung
- Bei bestimmten Medikamenten (z.B. Chemotherapeutika) wird die Körperoberfläche (KOF) verwendet:
- Formel: Dosis = Dosierung (mg/m²) × KOF (m²)
- Die KOF kann mit der Formel nach Mosteller berechnet werden: KOF (m²) = √(Größe [cm] × Gewicht [kg] / 3600)
Verdünnung von Medikamenten
Orale Suspensionen
- Beispiel Oseltamivir (Tamiflu):
- Verfügbar als Pulver zur Herstellung einer 6 mg/mL Suspension
- Für eine 30-mg-Dosis: 5 mL der Suspension verabreichen
- Für eine 45-mg-Dosis: 7,5 mL der Suspension verabreichen
- Für eine 60-mg-Dosis: 10 mL der Suspension verabreichen
- Für eine 75-mg-Dosis: 12,5 mL der Suspension verabreichen 1
Intravenöse Verdünnungen
Konzentration berechnen:
- Formel: Konzentration (mg/mL) = Medikamentenmenge (mg) / Lösungsvolumen (mL)
- Beispiel: 1 mg Epinephrin in 250 mL D5W ergibt 4,0 μg/mL 1
Infusionsrate berechnen:
- Formel: Infusionsrate (mL/h) = (gewünschte Dosis [μg/min] × 60) / Konzentration [μg/mL]
- Beispiel: Für 1-4 μg/min Epinephrin bei einer Konzentration von 4 μg/mL: Infusionsrate = 15-60 mL/h 1
Spezifische Beispiele für Dosisanpassungen
Niereninsuffizienz
- Bei Kreatinin-Clearance von 10-30 mL/min:
Frühgeborene
- Dosierung nach postmenstruellem Alter (Gestationsalter + chronologisches Alter):
Praktische Tipps zur Vermeidung von Dosierungsfehlern
- Doppelte Kontrolle: Lassen Sie Ihre Berechnungen von einer zweiten Person überprüfen
- Standardisierte Einheiten: Verwenden Sie immer dieselben Einheiten (mg statt g oder μg)
- Dezimalstellen: Vermeiden Sie unnötige Dezimalstellen (z.B. 1 mg statt 1,0 mg)
- Dokumentation: Notieren Sie alle Berechnungsschritte
- Maximaldosen beachten: Prüfen Sie, ob die berechnete Dosis die Maximaldosis überschreitet
Häufige Fallstricke
- Verwechslung von Einheiten: Besonders kritisch bei Insulin (Einheiten vs. mg) oder Heparin
- Dezimalstellenfehler: Eine falsch platzierte Dezimalstelle kann zu 10-facher Über- oder Unterdosierung führen
- Verwechslung von Konzentration und Dosis: Die Konzentration (z.B. mg/mL) ist nicht die zu verabreichende Dosis
- Unzureichende Anpassung bei Organinsuffizienz: Bei Leber- oder Niereninsuffizienz müssen Dosierungen oft angepasst werden 3
Die korrekte Berechnung und Verdünnung von Medikamenten ist entscheidend für die Patientensicherheit und den Behandlungserfolg. Durch systematisches Vorgehen und sorgfältige Kontrollen können Dosierungsfehler vermieden werden.