Diagnostische Untersuchungen bei Prionenerkrankungen
Bei Verdacht auf eine Prionenerkrankung sollte eine umfassende diagnostische Abklärung mit RT-QuIC, 14-3-3 Protein im Liquor, MRT (insbesondere DWI-Sequenzen), EEG und genetischer Analyse erfolgen. 1
Kerndiagnostik
Liquordiagnostik
RT-QuIC (Real-time Quaking-Induced Conversion):
14-3-3 Protein:
- Primärer Surrogatmarker im Liquor 1
- Hohe Sensitivität, aber geringere Spezifität als RT-QuIC
- Falsch-positive Ergebnisse möglich bei akuten Hirnschädigungen
Tau-Protein (t-Tau):
Bildgebung
MRT:
- Methode der Wahl mit höchster Sensitivität 1
- Wichtigste Sequenzen: Diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI) und FLAIR 1
- Typische Befunde: 1
- T2-Hyperintensität und Diffusionsrestriktion in der grauen Substanz
- Beteiligung von Kortex (frontal, temporal, parietal)
- Basalganglien (60%, vorwiegend anteriorer Nucleus caudatus und Putamen)
- Thalamus (13%, "Pulvinar-Zeichen" oder "Hockey-Stick-Zeichen")
- Relative Aussparung der weißen Substanz charakteristisch 1
CT:
Elektrophysiologie
- EEG:
Genetische Untersuchungen
- PRNP-Genanalyse:
Ergänzende Diagnostik
PET/CT mit FDG:
HMPAO-SPECT/CT:
- Kann Veränderungen des regionalen zerebralen Blutflusses nachweisen 1
- Manchmal bereits vor MRT-Signalveränderungen sichtbar
MR-Spektroskopie:
- Zeigt verminderte N-Acetylaspartat-Spiegel 1
- Hilfreich bei atypischen Fällen
Hirnbiopsie:
- Invasives Verfahren, das in Betracht gezogen werden kann, wenn nicht-invasive Diagnostik nicht schlüssig ist 1
- Vor allem wenn potenziell behandelbare alternative Diagnosen vermutet werden
Diagnostischer Algorithmus
Klinische Evaluation: Rasch progressive Demenz, Myoklonus, zerebelläre oder visuelle Störungen, pyramidale/extrapyramidale Zeichen, akinetischer Mutismus 1
Erste diagnostische Stufe:
- Liquorpunktion für RT-QuIC, 14-3-3, t-Tau
- MRT mit DWI/ADC und FLAIR-Sequenzen
- EEG
Zweite diagnostische Stufe:
- PRNP-Genanalyse
- Bei unklaren Befunden: p-Tau/t-Tau-Verhältnis
- Bei Bedarf: FDG-PET oder HMPAO-SPECT
Differentialdiagnostische Abklärung:
- Ausschluss anderer rasch progressiver neurodegenerativer Erkrankungen
- Ausschluss (auto)immunvermittelter Enzephalitis
- Ausschluss von Status epilepticus und zerebraler Ischämie 1
Wichtige Hinweise
Die Sensitivität aller Biomarker ist in frühen Krankheitsstadien und bei bestimmten molekularen Subtypen geringer; Folgeuntersuchungen können bei negativen Ergebnissen sinnvoll sein 1
RT-QuIC hat eine hervorragende Spezifität, aber die Sensitivität variiert je nach Studie zwischen 73% und 97% 1
Die Diagnose "mögliche sCJD" sollte nur gestellt werden, wenn umfangreiche Diagnostik keine alternativen Erklärungen für den klinischen Zustand ergeben hat 1
Alle Marker müssen in erfahrenen und zertifizierten Laboren durchgeführt werden 1
Die definitive Diagnose erfordert neuropathologische oder immunzytochemische Bestätigung 4