Prognose bei intrazerebralen Stammganglienblutungen
Die Prognose bei intrazerebralen Stammganglienblutungen ist generell ungünstig, mit einer 30-Tages-Mortalitätsrate von 35-52% und nur etwa 20% der Patienten erreichen nach 6 Monaten funktionelle Unabhängigkeit 1.
Prognostische Faktoren
Die wichtigsten prognostischen Faktoren bei Stammganglienblutungen sind:
Lokalisation der Blutung innerhalb der Basalganglien:
Hämatomvolumen:
Initialer Bewusstseinszustand:
Ventrikeleinbruch und Mittellinienverlagerung:
Mortalitätsraten nach Lokalisation
Die 1-Jahres-Mortalität bei intrazerebralen Blutungen variiert je nach Lokalisation 1:
- Tiefe (basalganglionäre) Blutungen: 51%
- Lobäre Blutungen: 57%
- Kleinhirnblutungen: 42%
- Hirnstammblutungen: 65%
Besondere Situationen
Bilaterale Stammganglienblutungen
Bilaterale Basalganglienblutungen sind selten und haben eine besonders schlechte Prognose 4:
- Höhere Rate an komatösen Zuständen bei Aufnahme (56%)
- Durchschnittlicher GCS-Score von 7
- Schlechtes Outcome bei 56% der Patienten
- Nicht-traumatische Fälle haben schlechtere Ergebnisse als traumatische (17% vs. 48% gute Erholung) 4
Chronische intrazerebrale Blutungen
Chronische intrazerebrale Blutungen in den Basalganglien sind selten (0,15% aller Basalganglienblutungen) und können durch verzögerte Resorption des Hämatoms charakterisiert sein 5.
Therapeutische Maßnahmen mit Einfluss auf die Prognose
Blutdruckkontrolle:
Chirurgische Intervention:
- Für die meisten Patienten mit supratentorieller ICH ist der Nutzen einer Operation nicht eindeutig belegt (Klasse IIb, Evidenzgrad A) 1
- Patienten mit Hämatomen, die sich bis auf 1 cm an die kortikale Oberfläche erstrecken, können von einer Operation innerhalb von 96 Stunden profitieren 1
- Patienten mit GCS 9-12 zeigen einen Trend zu besseren Ergebnissen nach chirurgischer Intervention 1, 3
- Bei Patienten mit GCS ≤8 oder tiefen Blutungen kann eine Operation zu schlechteren Ergebnissen führen 1
Dekompressive Kraniektomie:
- Kann bei Patienten mit Koma, großen Hämatomen, signifikanter Mittellinienverlagerung oder erhöhtem intrakraniellem Druck in Betracht gezogen werden 3
Zeitlicher Verlauf der Erholung
Die meisten funktionellen und kognitiven Verbesserungen treten Wochen bis Monate nach der Entlassung auf 3. Die langfristige Prognose hängt stark von der initialen Schwere der Blutung und dem frühen Management ab.
Fazit
Die Prognose bei intrazerebralen Stammganglienblutungen wird hauptsächlich durch das Hämatomvolumen, die genaue Lokalisation innerhalb der Basalganglien (besonders Beteiligung der Capsula interna) und den initialen Bewusstseinszustand bestimmt. Aggressive frühe Behandlung mit Blutdruckkontrolle und selektiver chirurgischer Intervention bei geeigneten Patienten kann das Outcome verbessern, jedoch bleibt die Gesamtprognose ungünstig mit hoher Mortalität und signifikanter Morbidität bei Überlebenden.