Impfungen und Untersuchungen vor Ravulizumabtherapie
Vor Beginn einer Ravulizumabtherapie müssen Patienten unbedingt gegen Meningokokken geimpft werden, sowohl mit dem quadrivalenten Konjugatimpfstoff (MenACWY) als auch mit dem Meningokokken-B-Impfstoff (MenB), da Ravulizumab das Risiko für invasive Meningokokkenerkrankungen deutlich erhöht. 1, 2
Notwendige Impfungen
Meningokokken-Impfungen (höchste Priorität)
- MenACWY (quadrivalenter Konjugatimpfstoff):
- MenB (Serogruppe B Impfstoff):
Zeitpunkt der Meningokokken-Impfung
- Idealerweise mindestens 2 Wochen vor Beginn der Ravulizumabtherapie
- Falls die Therapie nicht verzögert werden kann, sollte eine antibiotische Prophylaxe bis 2 Wochen nach der Impfung erwogen werden 2
Weitere empfohlene Impfungen
- Pneumokokken-Impfung:
- Bevorzugt PCV20 oder alternativ PCV15 gefolgt von PPSV23 nach 8 Wochen
- Bei funktioneller Asplenie durch Komplementdefekte besonders wichtig 1
- Influenza-Impfung: Jährlich mit inaktiviertem oder rekombinanten Impfstoff 1
- COVID-19-Impfung: Gemäß aktuellen Empfehlungen 1
- Tdap (Tetanus/Diphtherie/Pertussis): Alle 10 Jahre 1
Notwendige Untersuchungen
Vor Therapiebeginn
- Meningokokken-Impfstatus: Überprüfung und Vervollständigung 1, 3
- Laboruntersuchungen:
- Infektionsscreening: Ausschluss akuter Infektionen vor Therapiebeginn 1
Während der Therapie
- Regelmäßige Überwachung auf:
- Anzeichen einer Meningokokkeninfektion (Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Hautausschlag)
- Andere Infektionen, insbesondere Atemwegsinfektionen mit Streptococcus pneumoniae und Hautinfektionen mit Staphylokokken 1
- Entzündungsmarker zur Therapieüberwachung 1
- Proteinurie/Mikroalbuminurie zur Früherkennung einer Amyloidose 1
Besondere Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Lebendimpfstoffe: Sollten nicht während der Ravulizumabtherapie verabreicht werden, sondern vor Therapiebeginn 1
Patientenaufklärung: Patienten müssen über das erhöhte Infektionsrisiko und die Notwendigkeit, bei Fieber oder anderen Infektionszeichen sofort ärztliche Hilfe zu suchen, aufgeklärt werden 3
Antibiotische Prophylaxe: Kann zusätzlich zur Impfung bei Hochrisikopatienten erwogen werden 3
Besondere Situationen: Bei Patienten, die zuvor mit Rituximab oder anderen B-Zell-depletierenden Therapien behandelt wurden, kann die Impfantwort beeinträchtigt sein, was ein erhöhtes Infektionsrisiko bedeutet 4
Die strikte Einhaltung dieser Impf- und Überwachungsempfehlungen ist entscheidend, um das Risiko schwerwiegender Infektionen bei Patienten unter Ravulizumabtherapie zu minimieren und die Morbidität und Mortalität zu reduzieren.