Zeitlicher Nachweis von Denervierung im EMG nach Nervenschaden
Denervierungszeichen im EMG sind frühestens nach etwa 7-10 Tagen nach einem Nervenschaden nachweisbar und können über mehrere Monate bis Jahre bestehen bleiben, abhängig vom Ausmaß der Schädigung und einer möglichen Reinnervation.
Zeitlicher Verlauf der Denervierungszeichen
Akute Phase (0-7 Tage):
Frühe Denervierungsphase (7-14 Tage):
Etablierte Denervierungsphase (2-3 Wochen):
Chronische Phase (ab 4 Wochen):
Faktoren, die die Nachweisbarkeit beeinflussen
Ausmaß der Nervenschädigung:
- Bei kompletter Nervenschädigung sind die Denervierungszeichen ausgeprägter und länger nachweisbar
- Bei partieller Schädigung können die Zeichen weniger deutlich sein
Reinnervationsprozess:
- Bei einsetzender Reinnervation erscheinen polyphasische Potentiale mit verlängerter Dauer und komplexeren Wellenformen 1
- Single-Fiber-EMG-Parameter wie Jitter und Blocking können die Reinnervation anzeigen 6
- Mittlere Jitter-Werte können etwa 1,5 Jahre nach Beginn der Reinnervation wieder normal werden 6
Zeitpunkt der Untersuchung:
Praktische Hinweise für die EMG-Diagnostik
- Bei Verdacht auf Nervenschädigung sollte die EMG-Untersuchung frühestens 7 Tage nach dem Ereignis durchgeführt werden
- Qualitative EMG-Beurteilung ist stark von der Erfahrung des Untersuchers abhängig 1
- Für die Beurteilung der Prognose bei kompletter Gesichtslähmung kann die Elektroneurographie (ENoG) hilfreich sein 1
- Bei Amplituden >10% der gesunden Seite ist die Prognose für eine normale oder fast normale Erholung gut 1
Besonderheiten bei verschiedenen Nervenschädigungen
Laryngeale EMG:
Brachialplexus-Verletzungen:
Die EMG-Diagnostik ist ein wichtiges Instrument zur Beurteilung von Nervenschäden, aber die zeitliche Dynamik der Denervierungszeichen muss bei der Interpretation berücksichtigt werden.