Wahrscheinlichkeit von Hautschäden bei lokaler Radiotherapie mit 50 Gy über 25 Tage bei jungen Patienten
Bei einer lokalen Strahlentherapie mit 50 Gy über 25 Tage ist bei jungen Patienten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von leichten bis mittelschweren Hautreaktionen zu rechnen, während schwere Hautschäden bei dieser Dosierung eher selten auftreten.
Strahlendosis und Schwellenwerte für Hautreaktionen
Die Wahrscheinlichkeit und Schwere von Hautreaktionen hängt direkt mit der verabreichten Strahlendosis zusammen. Gemäß den Richtlinien der American College of Cardiology Foundation/American Heart Association 1 gelten folgende Schwellenwerte für deterministische Hauteffekte:
- Frühe vorübergehende Erytheme: 2 Gy (Schwellenwert)
- Haupterythem: 6 Gy (Schwellenwert)
- Vorübergehende Epilation: 3 Gy (Schwellenwert)
- Permanente Epilation: 7 Gy (Schwellenwert)
- Trockene Desquamation: 14 Gy (Schwellenwert)
- Feuchte Desquamation: 18 Gy (Schwellenwert)
- Sekundäre Ulzeration: 24 Gy (Schwellenwert)
Bei einer Gesamtdosis von 50 Gy, die über 25 Tage (2 Gy pro Fraktion) verabreicht wird, ist die Einzeldosis pro Fraktion moderat, aber die kumulative Dosis überschreitet mehrere der genannten Schwellenwerte.
Zu erwartende Hautreaktionen bei 50 Gy
Bei einer Gesamtdosis von 50 Gy über 25 Tage ist mit folgenden Hautreaktionen zu rechnen:
Wahrscheinliche Reaktionen:
- Erythem (Rötung)
- Epilation (Haarausfall im bestrahlten Bereich)
- Trockene Desquamation (Schuppung)
Mögliche, aber weniger häufige Reaktionen:
- Feuchte Desquamation (bei empfindlichen Patienten oder in Hautfalten)
Unwahrscheinliche Reaktionen:
- Ulzeration
- Nekrose
- Spätfibrosen
Einflussfaktoren auf die Hautreaktion
Das Ausmaß der Hautreaktion wird durch mehrere Faktoren beeinflusst:
Alter des Patienten:
Bestrahlungsparameter:
- Fraktionierung (hier: 2 Gy pro Tag über 25 Tage = konventionelle Fraktionierung)
- Bestrahltes Volumen
- Bestrahlungstechnik
Patientenspezifische Faktoren:
Zeitlicher Verlauf der Hautreaktionen
Die Hautreaktionen folgen einem typischen zeitlichen Verlauf:
- Frühe vorübergehende Erytheme: innerhalb von Stunden nach Bestrahlung
- Haupterythem: etwa 10 Tage nach Bestrahlung
- Epilation: etwa 3 Wochen nach Bestrahlung
- Trockene Desquamation: etwa 4 Wochen nach Bestrahlung
- Feuchte Desquamation: etwa 4 Wochen nach Bestrahlung 1
Inzidenz von Hautreaktionen bei konventioneller Fraktionierung
Bei konventioneller Fraktionierung (wie in diesem Fall mit 2 Gy pro Fraktion) zeigen Studien folgende Inzidenzraten für Hautreaktionen:
- Laut RTOG-Daten entwickeln etwa 94% der Patienten Grad 0-2 Hautreaktionen und 7% Grad 3 Hautreaktionen 1
- Bei Kopf-Hals-Tumoren entwickeln 20-25% der Patienten schwere Hautreaktionen (Grad 3-4) 1
- Die meisten Patienten (75-80%) entwickeln leichte bis moderate Hautreaktionen (Grad 1-2) 1, 4
Besonderheiten bei jungen Patienten
Bei jungen Patienten ist besonders zu beachten:
- Bessere Geweberegeneration kann zu schnellerer Erholung führen
- Höheres Risiko für Spätfolgen aufgrund der längeren Lebenserwartung
- Mögliche kosmetische Beeinträchtigungen haben größere psychosoziale Auswirkungen
- Höheres Risiko für strahleninduzierte Malignome (Latenzzeit >5 Jahre) 1
Zusammenfassung
Bei einer lokalen Strahlentherapie mit 50 Gy über 25 Tage bei jungen Patienten ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Hautreaktionen zu rechnen. Die meisten Patienten werden leichte bis moderate Hautreaktionen (Grad 1-2) entwickeln, während schwere Reaktionen (Grad 3-4) bei etwa 7-25% der Patienten auftreten können, abhängig von individuellen Risikofaktoren und der bestrahlten Körperregion. Die Hautreaktionen sind in der Regel vorübergehend und bilden sich nach Abschluss der Behandlung zurück, können aber in einigen Fällen zu langfristigen kosmetischen Veränderungen führen.