Diagnostisches und therapeutisches Management bei Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung mit neurologischen Erstmanifestationen
Bei Verdacht auf eine Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJE) mit neurologischen Manifestationen ist eine umfassende diagnostische Abklärung mit RT-QuIC, 14-3-3-Proteinen im Liquor, MRT und EEG erforderlich, wobei RT-QuIC aufgrund seiner überragenden Spezifität als primärer Biomarker eingesetzt werden sollte. 1
Diagnostischer Algorithmus
Klinische Präsentation und Verdachtsmomente
- Rasch fortschreitende Demenz mit Myoklonus
- Neurologische Auffälligkeiten: Ataxie, Rigor, extrapyramidale Symptome
- Psychiatrische Symptome: Persönlichkeitsveränderungen, Depression, Anhedonie, sozialer Rückzug 2
- Akinetischer Mutismus im fortgeschrittenen Stadium
Bildgebende Diagnostik
MRT (höchste Priorität):
EEG:
Liquordiagnostik
RT-QuIC (Real-Time Quaking-Induced Conversion):
- Höchste Spezifität (nahezu 100%) und Sensitivität (73-97%)
- Sollte bei jedem Verdachtsfall durchgeführt werden 1
14-3-3-Protein:
- Primärer Surrogatmarker im Liquor
- Weniger spezifisch als RT-QuIC, aber breiter verfügbar 1
Tau-Protein:
- Gesamt-Tau (t-Tau) erhöht
- p-Tau/t-Tau-Verhältnis als unterstützender Biomarker besonders zur Differenzierung von Alzheimer 1
Genetische Untersuchung
- PRNP-Sequenzierung zur Bestimmung des Codon-129-Polymorphismus
- Ausschluss pathogener Mutationen auch bei negativer Familienanamnese 1
Differentialdiagnosen
- Rasch fortschreitende neurodegenerative Erkrankungen
- (Autoimmun-)Enzephalitis
- Status epilepticus
- Zerebrale Ischämie
- Multiple Sklerose (selten mit Befall der Basalganglien) 1, 3
Diagnostische Kriterien für "wahrscheinliche" CJE
- Rasch fortschreitende Demenz UND
- Mindestens ein kardinales klinisches Symptom (Myoklonus, visuelle/zerebelläre Symptome, pyramidale/extrapyramidale Zeichen, akinetischer Mutismus) UND
- Mindestens ein positiver Biomarker:
- Positiver RT-QuIC im Liquor ODER
- Positives 14-3-3-Protein UND erhöhtes t-Tau ODER
- Typische MRT-Befunde ODER
- Typische EEG-Veränderungen (PSWCs) 1
Therapeutisches Management
Da keine kurative Therapie existiert, konzentriert sich die Behandlung auf:
Symptomatische Therapie:
- Myoklonus: Clonazepam, Valproat oder Levetiracetam
- Psychiatrische Symptome: Antipsychotika und Anxiolytika
- Schmerzmanagement 3
Palliativmedizinische Versorgung:
- Frühzeitige Hospizanbindung
- Antizipatorische Medikation für terminale Symptome 3
Prognose und Verlauf
- Universell tödlicher Verlauf
- Mediane Überlebenszeit bei sporadischer CJE: 5 Monate nach Symptombeginn
- Die meisten Patienten versterben innerhalb eines Jahres nach Diagnosestellung 3
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- Infektionskontrolle bei chirurgischen Eingriffen
- Spezielle Sterilisationsverfahren für chirurgische Instrumente
- Entsorgung von hochinfektiösem Material (Gehirn, ZNS-Gewebe) durch Verbrennung 4
Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
- CJE kann initial mit psychiatrischen Symptomen präsentieren und als Depression fehldiagnostiziert werden
- Biomarker können in frühen Krankheitsstadien und bei bestimmten molekularen Subtypen weniger sensitiv sein
- Bei negativen Ergebnissen sollten Folgeuntersuchungen erwogen werden
- Hirnbiopsie nur bei unklaren Fällen und Verdacht auf behandelbare Alternativen 1, 2