Empfohlene ätiologische Abklärungen bei juvenilem embolischem Schlaganfall
Bei juvenilem embolischem Schlaganfall wird eine umfassende diagnostische Abklärung empfohlen, die Bildgebung des Gehirns, vaskuläre Bildgebung, kardiale Untersuchungen und Laboruntersuchungen umfasst, um die Ursache zu identifizieren und das Rezidivrisiko zu minimieren. 1
Bildgebungsverfahren
Zerebrale Bildgebung
- CT oder MRT des Gehirns innerhalb von 30 Minuten nach Krankenhausaufnahme 1
- MRT ist dem CT bei der diagnostischen Sensitivität für ischämische Läsionen überlegen 1
Vaskuläre Bildgebung
- CT-Angiographie (CTA) von Aortenbogen bis Vertex zur Beurteilung der extra- und intrakraniellen Zirkulation 1
- Alternativ: MR-Angiographie (MRA) oder Doppler/Duplex-Sonographie 1
- Untersuchung auf Karotisstenosen und arterielle Dissektionen, die bei juvenilen Schlaganfällen häufig sind (ca. 20% durch Dissektion) 2
Kardiale Diagnostik
EKG und Rhythmusmonitoring
- 12-Kanal-EKG unmittelbar bei Aufnahme 1
- Verlängertes EKG-Monitoring für mindestens 24 Stunden als Teil der initialen Schlaganfall-Abklärung 1
- Bei Verdacht auf kardioembolische Genese ohne Nachweis von Vorhofflimmern: verlängertes EKG-Monitoring für mindestens 2 Wochen bei Patienten ≥55 Jahre 1
Echokardiographie
- Transthorakale und/oder transösophageale Echokardiographie bei Verdacht auf embolischen Schlaganfall 1, 3
- Besonders wichtig bei jüngeren Patienten mit Schlaganfall unklarer Ätiologie 1
- Zur Detektion von:
- Kardialen Thromben
- Strukturellen Herzerkrankungen (z.B. offenes Foramen ovale)
- Klappenvegetationen oder -erkrankungen
- Kardialen Tumoren 3
Laboruntersuchungen
Standarduntersuchungen
- Hämatologie (Blutbild)
- Elektrolyte
- Gerinnungsparameter (aPTT, INR)
- Nierenfunktion (Kreatinin, eGFR)
- Glukose oder HbA1c
- Troponin 1
Erweiterte Untersuchungen
- Lipidprofil
- Screening auf Diabetes (Nüchternblutzucker, oraler Glukosetoleranztest oder HbA1c) 1
- Bei Patienten mit CVST (zerebrale Venenthrombose): Thrombophilie-Screening 1
- Bei unklarer Ätiologie: Untersuchung auf Antiphospholipid-Antikörper und andere hämatologische Erkrankungen 1
Spezielle Überlegungen bei juvenilem Schlaganfall
Embolic Stroke of Undetermined Source (ESUS)
- Etwa 20-30% der juvenilen Schlaganfälle erfüllen die Kriterien für ESUS 2
- Bei ESUS sollte eine erweiterte kardiale und vaskuläre Diagnostik erfolgen 4
- MRT-Techniken können zusätzliche kardiale und vaskuläre Emboliequellen identifizieren 5
Seltene Ursachen
- Etwa 10% der juvenilen Schlaganfälle sind auf seltene Ursachen wie Vaskulitis oder Thrombophilie zurückzuführen 2
- Bei Patienten <40 Jahre ohne klassische Risikofaktoren: Untersuchung auf Autoimmunerkrankungen, genetische Erkrankungen (z.B. Fabry-Krankheit) 4
Diagnostischer Algorithmus
Akutphase (erste 24 Stunden):
- Notfall-CT/MRT des Gehirns
- CT-/MR-Angiographie von Aortenbogen bis Vertex
- 12-Kanal-EKG
- Basis-Laboruntersuchungen
Frühe stationäre Phase (24-72 Stunden):
- Kontinuierliches EKG-Monitoring für mindestens 24 Stunden
- Doppler/Duplex-Sonographie der extra- und intrakraniellen Gefäße
- Transthorakale Echokardiographie
Erweiterte Diagnostik (bei unklarer Ätiologie):
- Transösophageale Echokardiographie
- Verlängertes EKG-Monitoring (≥2 Wochen)
- Erweiterte Labordiagnostik inkl. Thrombophilie-Screening
- Spezielle MRT-Untersuchungen zur Identifikation von Emboliequellen
Häufige Fallstricke und Empfehlungen
- Nicht alle Patienten mit juvenilem Schlaganfall benötigen die vollständige Diagnostik; die Untersuchungen sollten basierend auf klinischem Verdacht priorisiert werden
- Bei 25-50% der juvenilen Schlaganfälle bleibt die Ursache trotz umfassender Diagnostik kryptogen 2
- Die Identifikation seltener Ursachen erfordert einen erheblichen diagnostischen Aufwand
- Die Indikation für ein Langzeit-EKG-Monitoring wird derzeit individuell entschieden 2
Die frühzeitige und umfassende ätiologische Abklärung ist entscheidend, um gezielte Sekundärpräventionsmaßnahmen einzuleiten und das Risiko für Rezidive zu minimieren.