EEG-Veränderungen bei Migräne mit Aura
Bei Migräne mit Aura zeigt das EEG keine konsistenten Veränderungen, obwohl in quantitativen Studien vorübergehende fokale Verlangsamungen in okzipitalen Regionen beobachtet wurden 1.
Charakteristika der EEG-Befunde bei Migräne mit Aura
Die EEG-Befunde bei Migräne mit Aura variieren je nach Subtyp:
Visuelle Aura (häufigste Form, >90% der Fälle):
- Keine konsistenten EEG-Veränderungen während der visuellen Aura
- In quantitativen EEG-Studien: vorübergehende fokale Verlangsamungen in okzipitalen Regionen 1
Familiäre hemiplegische Migräne und Migräne mit Hirnstammaura:
Epileptiforme Potentiale:
- Bei familiärer hemiplegischer Migräne können epileptiforme Potentiale auftreten
- Diese sind jedoch meist auf eine assoziierte Epilepsie zurückzuführen 1
Pathophysiologische Grundlage der EEG-Veränderungen
Die EEG-Veränderungen bei Migräne mit Aura werden auf die kortikale Streudepression (Cortical Spreading Depression, CSD) zurückgeführt:
- CSD gilt als zentraler Mechanismus der Migräneaura 3, 4
- CSD kann nicht direkt visualisiert werden, aber ihre Folgen können erfasst werden 1
- CSD führt zur Aktivierung des trigeminovaskulären Systems, was die Kopfschmerzphase der Migräne auslöst 4
Differentialdiagnostische Überlegungen
Bei der Interpretation von EEG-Veränderungen bei Migräne mit Aura müssen folgende Aspekte berücksichtigt werden:
- Pathologische EEGs sind bei Migräne mit Aura nicht selten 2
- Bei erstmaligem Auftreten oder atypischen neurologischen Defiziten sollten sekundäre Ursachen ausgeschlossen werden 1
- Besondere Vorsicht bei:
- Gleichzeitigen neurologischen Symptomen
- Symptomen, die einem zerebralen Gefäßterritorium entsprechen
- Langer Dauer der Aura (>1 Stunde)
- Spätem Beginn der Aura
- Dramatischer Zunahme von Aura-Attacken 3
Klinische Bedeutung der EEG-Befunde
- EEG-Veränderungen können bei der Differentialdiagnose zwischen Migräne mit Aura und anderen neurologischen Erkrankungen hilfreich sein
- Bei unklaren oder atypischen Symptomen sollte eine sorgfältige neurologische Nachuntersuchung und frühzeitige Liquoranalyse erfolgen 2
- Die Diagnose der Migräne mit Aura basiert primär auf den klinischen Kriterien der International Classification of Headache Disorders (ICHD-3) 5
Bildgebende Verfahren als Ergänzung zum EEG
Neben dem EEG können bildgebende Verfahren zur Charakterisierung der Migräne mit Aura beitragen:
- Perfusions-MRT zeigt konsistent zerebrale Hypoperfusion, die meist nicht auf ein Gefäßterritorium beschränkt ist
- Mögliche Vasokonstriktion peripherer Arterien, besonders bei pädiatrischen Patienten
- Rebound-Hyperperfusion in späteren Phasen
- Dilatierte Venen in der suszeptibilitätsgewichteten Bildgebung (SWI) als potenzieller MRT-Marker für Migräneaura 1
Bei der Beurteilung von EEG-Veränderungen bei Migräne mit Aura ist zu beachten, dass diese nicht spezifisch sind und im Kontext der klinischen Präsentation interpretiert werden müssen.