Perkutane Koronarintervention (PCI) - Definition und Anwendung
Die perkutane Koronarintervention (PCI) ist ein nicht-chirurgisches Verfahren zur Behandlung verengter oder blockierter Koronararterien mittels eines kathetergestützten Ansatzes. 1
Definition und historische Entwicklung
Die PCI wurde früher als PTCA (Perkutane Transluminale Koronarangioplastie) bezeichnet und hat sich zu einem zentralen Verfahren in der interventionellen Kardiologie entwickelt. 1 Der Begriff wurde erstmals 1977 eingeführt, als diese Technik ihre Anfänge nahm. 2
Technisches Verfahren
Bei einer PCI wird ein Katheter über eine Arterie (meist in der Leiste oder am Handgelenk) eingeführt und bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Dort können verschiedene Interventionen durchgeführt werden:
- Ballondilatation: Aufweitung verengter Gefäßabschnitte mittels eines aufblasbaren Ballons
- Stentimplantation: Einsetzen eines Gefäßstütze (Stent) zur dauerhaften Offenhaltung des Gefäßes
- Thrombusaspiration: Absaugen von Blutgerinnseln bei akutem Herzinfarkt
- Intravaskuläre Bildgebung: Zur Beurteilung der Gefäßwand und optimalen Stentplatzierung 3, 1
Klinische Indikationen
Die PCI wird in verschiedenen klinischen Szenarien eingesetzt:
ST-Hebungsinfarkt (STEMI):
- Primäre PCI ist die bevorzugte Reperfusionsstrategie bei STEMI, wenn sie innerhalb von 90 Minuten nach dem ersten medizinischen Kontakt durchgeführt werden kann 3
- Besonders wirksam zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Koronararterien und Vermeidung von Blutungsrisiken im Vergleich zur Fibrinolyse 3
Stabile koronare Herzkrankheit:
Akutes Koronarsyndrom ohne ST-Hebung:
- Frühe Angiographie (≤48 Stunden) und PCI bei Bedarf zeigt klaren Nutzen in Hochrisikogruppen 1
Kardiogener Schock:
- PCI ist die bevorzugte Behandlung für Patienten im kardiogenen Schock 3
Institutionelle und personelle Voraussetzungen
Für optimale Ergebnisse sind folgende Faktoren entscheidend:
- Erfahrenes Team aus interventionellen Kardiologen und qualifiziertem Unterstützungspersonal
- Empfohlenes Mindestvolumen von 200 Interventionen pro Jahr pro Einrichtung, idealerweise 400 pro Jahr
- Interventionelle Kardiologen sollten mindestens 75 Eingriffe pro Jahr durchführen 1
- Komplexe Fälle, insbesondere bei Hauptstammstenosen oder Mehrgefäßerkrankungen, sollten durch ein multidisziplinäres "Heart Team" evaluiert werden 1
Vorteile der PCI gegenüber Fibrinolyse bei STEMI
Randomisierte klinische Studien, die zeitnah durchgeführte primäre PCI mit fibrinolytischer Therapie in erfahrenen Zentren verglichen haben, zeigen:
- Effektivere Wiederherstellung der Durchgängigkeit
- Weniger wiederkehrende Myokardischämie
- Weniger Koronarverschlüsse
- Verbesserte linksventrikuläre Funktion
- Besseres klinisches Outcome einschließlich weniger Schlaganfälle 3
Eine Metaanalyse von 23 randomisierten Studien mit 7739 Patienten zeigte, dass primäre PCI im Vergleich zur thrombolytischen Therapie folgende Vorteile bietet:
- Reduzierung der kurzfristigen Mortalität (7,0% vs. 9,3%, P=0,0002)
- Weniger nicht-tödliche Reinfarkte (2,5% vs. 6,8%, P<0,0001)
- Weniger Schlaganfälle (1,0% vs. 2,0%, P=0,0004) 3
Besondere Überlegungen
Zeitfenster und Verzögerungen:
- Innerhalb der ersten 3 Stunden nach Symptombeginn scheinen sowohl PCI als auch Thrombolyse ähnlich wirksam zur Reduzierung der Infarktgröße und Mortalität
- Bei Präsentation 3-12 Stunden nach Symptombeginn ist PCI klar überlegen 3
- Alle Anstrengungen sollten unternommen werden, um die durchschnittliche Zeit zwischen erstem medizinischen Kontakt und PCI unter 90 Minuten zu halten 3
Patiententransfer für primäre PCI:
- Patienten mit Kontraindikationen für Thrombolyse sollten sofort zur primären PCI verlegt werden
- Die DANAMI-2-Studie zeigte eine signifikante Reduktion des kombinierten Endpunkts aus Tod, Reinfarkt und Schlaganfall nach 30 Tagen bei verlegten Patienten (8,5% vs. 14,2%, P<0,002) 3
Adjuvante Medikation:
- Routinemäßige Vorbehandlung mit intrakoronarem Nitroglycerin wird empfohlen
- Bei "No-Reflow"-Phänomen können Adenosin, Verapamil und Nitroprussid hilfreich sein 3
Fazit
Die perkutane Koronarintervention hat sich zu einem unverzichtbaren Verfahren in der modernen Kardiologie entwickelt. Sie bietet insbesondere bei akutem Koronarsyndrom signifikante Vorteile hinsichtlich Morbidität und Mortalität. Die Durchführung sollte in erfahrenen Zentren mit ausreichendem Fallvolumen erfolgen, um optimale Ergebnisse zu gewährleisten.