Übersicht zur Arterienstenose
Bei Arterienstenosen ist die Therapieentscheidung abhängig vom Stenosegrad, der Symptomatik und dem individuellen Risikoprofil des Patienten, wobei eine Revaskularisierung bei symptomatischen Patienten mit hochgradiger Stenose (≥70%) innerhalb von 14 Tagen nach Symptombeginn empfohlen wird.
Definition und Pathophysiologie
Arterienstenose bezeichnet eine Verengung des arteriellen Lumens, die durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden kann:
- Atherosklerose (häufigste Ursache)
- Intimahyperplasie (besonders nach Gefäßeingriffen)
- Entzündliche Gefäßerkrankungen
- Traumatische Gefäßverletzungen
Diagnostik
Primärdiagnostik
- Duplexsonographie: Methode der ersten Wahl zur Diagnose und Beurteilung von Gefäßstenosen 1
- Bestimmung des Stenosegrads nach NASCET-Methode (North American Symptomatic Carotid Endarterectomy Trial)
Weiterführende Diagnostik
- MR-Angiographie: Bei unklaren Ultraschallbefunden oder zur besseren Charakterisierung der Plaque 2
- CT-Angiographie: Alternative bei Kontraindikationen für MRT 2
- Katheterangiographie: Nur noch selten für rein diagnostische Zwecke eingesetzt 2
Management nach Lokalisation
1. Karotisstenose
Symptomatische Karotisstenose (TIA oder Schlaganfall innerhalb der letzten 6 Monate)
Stenosegrad 70-99%:
Stenosegrad 50-69%:
Stenosegrad <50%:
Asymptomatische Karotisstenose
Stenosegrad 60-99% mit Hochrisikomerkmalen oder Lebenserwartung >5 Jahre:
Stenosegrad 60-99% ohne Hochrisikomerkmale oder Lebenserwartung <5 Jahre:
2. Vertebralarterienstenose
Symptomatische Stenose ≥50%:
- Endovaskuläre Behandlung kann bei rezidivierenden ischämischen Ereignissen trotz optimaler medikamentöser Therapie erwogen werden 2
Asymptomatische Stenose:
- Revaskularisierung nicht indiziert, unabhängig vom Schweregrad 2
3. Dialyse-Gefäßzugangsstenosen
Behandlungsindikationen:
- Verminderter Blutfluss (<600 ml/min oder Abnahme des Flusses)
- Erhöhter venöser Druck
- Verminderter Dialysewirkungsgrad (Kt/V)
- Abnormaler körperlicher Befund 2
Therapieoptionen:
Medikamentöse Therapie
Für alle Patienten mit Arterienstenose
Thrombozytenaggregationshemmung:
Statintherapie:
- Hochintensive Statintherapie mit Ziel einer >50% LDL-C-Reduktion und LDL-C <55 mg/dl 1
Blutdruckkontrolle:
- Zielblutdruck <140/90 mmHg 1
Lebensstilmodifikationen:
- Mediterrane Ernährung
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Raucherentwöhnung
- Diabetesmanagement 1
Nachsorge nach Revaskularisierung
Nach Stentimplantation:
Duplexsonographie-Überwachung:
Klinische Nachsorge:
Besonderheiten und Fallstricke
In-Stent-Restenose:
Aneurysmen im Bereich der Gefäßzugänge:
Zentrale Venenstenosen:
Das Management der Arterienstenose erfordert einen multidisziplinären Ansatz mit Beteiligung von Gefäßchirurgen, interventionellen Radiologen und Neurologen, um die optimale Behandlungsstrategie für jeden Patienten zu bestimmen.