Antikoagulation bei NSTEMI: Enoxaparin oder Heparin in der Initialtherapie
Bei NSTEMI-Patienten kann sowohl unfraktioniertes Heparin (UFH) als auch Enoxaparin direkt initial eingesetzt werden, wobei Enoxaparin bei einem geplanten konservativen Vorgehen dem UFH vorzuziehen ist (Klasse IIa, Level A). 1
Therapieoptionen basierend auf Behandlungsstrategie
Konservative Behandlungsstrategie
- Enoxaparin ist dem UFH vorzuziehen (Klasse IIa, Level A) 1
- Fondaparinux ist ebenfalls eine vernünftige Alternative (Klasse IIa, Level B) 1
- Beide Optionen sind dem Placebo überlegen
Invasive Behandlungsstrategie
- Sowohl Enoxaparin als auch UFH sind vernünftige Optionen (Klasse IIa, Level A) 1
- Bei Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko kann Bivalirudin (Klasse IIa, Level A) oder Fondaparinux (Klasse IIa, Level B) erwogen werden 1
Dosierung und Anwendung
Enoxaparin
- Standarddosierung: 1 mg/kg KG subkutan alle 12 Stunden
- Bei Patienten ≥75 Jahre: 0,75 mg/kg KG subkutan alle 12 Stunden
- Bei Niereninsuffizienz (CrCl <30 ml/min): 1 mg/kg KG subkutan einmal täglich
Unfraktioniertes Heparin (UFH)
- Intravenöse Gabe mit aPTT-Kontrolle
- Erfordert häufigere Überwachung der Gerinnungsparameter
Vorteile von Enoxaparin gegenüber UFH
- Vorhersehbarere antikoagulative Wirkung
- Keine Notwendigkeit für regelmäßige aPTT-Kontrollen
- Einfachere Anwendung (subkutan statt intravenös)
- Mehrere Studien zeigen ähnliche oder verbesserte klinische Ergebnisse 1
Besondere Patientengruppen und Überlegungen
Patienten mit Niereninsuffizienz
- Bei schwerer Niereninsuffizienz (CrCl <30 ml/min) sollte Bivalirudin oder UFH in Betracht gezogen werden (Klasse IIb, Level A) 1
- Bei Enoxaparin-Anwendung: Dosisreduktion auf 1 mg/kg KG einmal täglich
Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko
- Fondaparinux (Klasse IIa, Level B) oder Bivalirudin (Klasse IIa, Level A) sind vernünftige Optionen 1
- UFH kann ebenfalls erwogen werden (Klasse IIb, Level C)
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Patienten, die initial mit Enoxaparin behandelt werden, sollten nicht auf UFH umgestellt werden und umgekehrt, da dies das Blutungsrisiko erhöht (Klasse III, Level C) 1
- Bei Enoxaparin wurde in einigen Studien ein leicht erhöhtes Risiko für kleinere Blutungskomplikationen beobachtet 1, 2
- In der SYNERGY-Studie zeigte sich kein Vorteil von Enoxaparin gegenüber UFH bezüglich des primären Endpunkts (Tod oder Myokardinfarkt nach 30 Tagen), jedoch ein erhöhtes Risiko für TIMI-Major-Blutungen (9,1% vs. 7,6%, p=0,008) 2
Prähospitale Anwendung
- Es gibt keine spezifischen Evidenzen für oder gegen die Verwendung von Antikoagulanzien bei NSTEMI im prähospitalen Setting 1
Fazit
Die Wahl zwischen UFH und Enoxaparin sollte basierend auf der geplanten Behandlungsstrategie, dem Blutungsrisiko des Patienten und der Nierenfunktion getroffen werden. Beide Medikamente können direkt initial eingesetzt werden, wobei Enoxaparin bei konservativem Vorgehen zu bevorzugen ist, während bei invasiver Strategie beide Optionen gleichwertig sind.