Wann sollte ein Pneumothorax drainiert werden?
Bei einem Pneumothorax sollte eine Drainage angelegt werden, wenn der Patient symptomatisch ist, der Pneumothorax eine ausreichende Größe hat (≥2 cm lateral oder apikal auf dem Röntgenbild oder jede Größe auf dem CT, die sicher zugänglich ist), oder wenn Hochrisikomerkmale vorliegen. 1
Indikationen für eine Drainage
Primärer Spontanpneumothorax (PSP)
- Symptomatischer Patient mit ausreichender Pneumothoraxgröße
- Nach erfolgloser Aspiration
- Bei Patienten mit Rezidiv
Sekundärer Spontanpneumothorax (SSP)
- Grundsätzlich bei allen SSP, außer bei:
Hochrisikomerkmale, die eine sofortige Drainage erfordern
- Hämodynamische Instabilität (Spannungspneumothorax)
- Signifikante Hypoxie
- Zugrunde liegende Lungenerkrankung
- Alter ≥50 Jahre mit signifikanter Raucheranamnese
- Hämopneumothorax 1
Behandlungsalgorithmus
Symptomatischer Patient?
- Nein → konservative Behandlung mit regelmäßigen Kontrollen
- Ja → weiter zu Schritt 2
Hochrisikomerkmale vorhanden?
- Ja → sofortige Drainage
- Nein → weiter zu Schritt 3
Pneumothoraxgröße ausreichend? (≥2 cm lateral/apikal auf Röntgen oder jede Größe auf CT)
- Nein → CT-Bildgebung und Neubewertung
- Ja → weiter zu Schritt 4
Behandlungsoptionen basierend auf Patientenpriorität:
- Schnelle Symptomlinderung (ambulant) → ambulantes Gerät
- Schnelle Symptomlinderung (kurzfristige Drainage) → Nadelaspiration oder Thoraxdrainage 1
Spezifische Überlegungen
Primärer vs. Sekundärer Pneumothorax
- Bei PSP kann zunächst eine einfache Aspiration versucht werden
- Bei SSP wird direkt eine Thoraxdrainage empfohlen, außer bei sehr kleinen, asymptomatischen Pneumothoraces 1
Größe des Pneumothorax
- Traumatischer Pneumothorax >20% des Thoraxvolumens auf Röntgen oder >35 mm auf CT (radial von Brustwand zu Lungenparenchym gemessen) sollte mit Thoraxdrainage behandelt werden 3
- Kleinere Pneumothoraces können beobachtet werden, wobei etwa 10% später doch eine Drainage benötigen 3
Drainagemanagement
- Kleine Drainagen (10-14 F) werden für die initiale Behandlung empfohlen
- Standardmäßige Thoraxdrainage ist in vielen Fällen erfolgreich
- Sog sollte erst nach 48 Stunden angewendet werden, wenn sich der Pneumothorax langsam zurückbildet oder die Standarddrainage keine Lungenexpansion erreicht hat
- Negativer Sog von -10 bis -20 cm H₂O sollte mit einem Hochvolumen-, Niederdrucksystem angewendet werden 2
Wann kann die Drainage entfernt werden?
- Nach vollständiger Lungenexpansion und Sistieren der Luftleckage
- Bei PSP: Regelmäßige Kontrolle alle 2-4 Tage als ambulanter Patient
- Bei SSP: Kontrolle als stationärer Patient 1
Vorsichtsmaßnahmen
- Eine blubbernde Thoraxdrainage darf niemals abgeklemmt werden
- Eine nicht blubbernde Thoraxdrainage sollte in der Regel nicht abgeklemmt werden
- Falls eine Drainage abgeklemmt wird, sollte dies unter Aufsicht eines Pneumologen oder Thoraxchirurgen erfolgen 1
Komplikationen
Bei persistierenden Luftlecks steigt das Risiko für Komplikationen wie Pneumonie (13,3% vs. 4,9%), verlängerten Krankenhausaufenthalt (14,2 vs. 7,1 Tage) und längere Drainagedauer (11,5 vs. 3,4 Tage) 2.