Diagnostik und Therapie bei Verdacht auf inkarzerierte Nabelhernie
Bei Verdacht auf eine inkarzerierte Nabelhernie ist eine sofortige chirurgische Intervention zwingend erforderlich, da diese Komplikation mit erheblicher Morbidität und Mortalität verbunden ist. 1
Diagnostisches Vorgehen
Klinische Beurteilung
- Beurteilung der Hernie: Schmerzhaftigkeit, Rötung, Reponierbarkeit
- Beurteilung des Allgemeinzustands: Vitalzeichen, Zeichen einer Peritonitis
- Suche nach Symptomen eines Darmverschlusses: Übelkeit, Erbrechen, fehlender Stuhlgang oder Flatulenz
Bildgebende Diagnostik
- Die bereits durchgeführte Sonographie hat den Verdacht auf Inkarzeration bestätigt
- CT-Abdomen und Becken: Goldstandard zur Beurteilung von Hernienkomplikationen 1
- Kann Darmischämie, Nekrose oder Perforation nachweisen
- Hilft bei der präoperativen Planung
Labor
- Blutbild: Leukozytose als Hinweis auf Entzündung/Infektion
- CRP: Erhöhung bei Entzündung
- Laktat: Erhöhung bei Darmischämie
- Nierenfunktionsparameter und Elektrolyte
Therapeutisches Vorgehen
Sofortmaßnahmen
- Nüchternheit (NPO-Status)
- Intravenöse Flüssigkeitstherapie zur Kreislaufstabilisierung 1
- Breitspektrum-Antibiotika bei Verdacht auf bakterielle Translokation 1
Manuelle Reposition
- Kann unter Analgosedierung versucht werden, wenn keine Zeichen von Peritonitis oder Darmnekrose vorliegen 2
- Ultraschall-gestützte Reposition kann hilfreich sein, insbesondere wenn Flüssigkeit im Bruchsack die Reposition behindert 2
- Bei erfolgreicher Reposition sollte dennoch eine zeitnahe elektive Operation erfolgen
Chirurgische Intervention
- Notfall-Operation innerhalb von 6 Stunden nach Symptombeginn wird empfohlen, da dies mit einer geringeren Rate an Darmresektionen verbunden ist 1
- Operativer Zugang:
- Netzimplantat wird für größere Defekte (>3 cm oder >20 cm²) empfohlen, mit einer Überlappung der Defektränder um 1,5-2,5 cm 1
Postoperative Versorgung
Überwachung
- Stationäre Überwachung für mindestens 24 Stunden 1
- Fokus auf:
- Hämodynamische Stabilität
- Wundkomplikationen
- Respiratorische Funktion
Schmerzmanagement
- Paracetamol 500-1000 mg alle 6 Stunden (max. 4000 mg/Tag) als First-Line-Therapie 1
- Tramadol 50-100 mg alle 6-8 Stunden (max. 400 mg/Tag) als Second-Line-Therapie 1
- NSAIDs sollten wegen erhöhtem Blutungsrisiko vermieden werden 1
Besondere Situationen
Bei Patienten mit Zirrhose und Aszites
- Ca. 20% der Patienten mit Leberzirrhose entwickeln Nabelhernien 1
- Optimale Flüssigkeitskontrolle und angemessene Ernährung sind wichtig 1
- Die Reparatur ist bei Zirrhose nicht kontraindiziert, erfordert aber sorgfältige Abwägung von Risiken und Nutzen 1
Entlassung und Nachsorge
- Klare Anweisungen zur Vermeidung von NSAIDs 1
- Überwachung auf Anzeichen von Blutungen
- Schrittweise Rückkehr zu normalen Aktivitäten
- Patient sollte bei folgenden Symptomen sofort ärztliche Hilfe suchen 1:
- Starke und anhaltende Schmerzen
- Rötung oder Hautveränderungen über der Hernie
- Übelkeit, Erbrechen
- Unfähigkeit, Stuhlgang abzusetzen oder Blähungen abzugeben
- Fieber oder allgemeines Unwohlsein
Die frühzeitige Erkennung und Behandlung einer inkarzerierten Nabelhernie ist entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen wie Darmnekrose und Perforation zu vermeiden, die die Morbidität und Mortalität erheblich erhöhen können 1, 4.