Therapie bei Hämorrhoiden-Blutung
Die initiale Therapie bei Hämorrhoiden-Blutung umfasst konservative Maßnahmen mit erhöhter Ballaststoffzufuhr (25-30g täglich), ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Sitzbädern 2-3 mal täglich und Vermeidung von Pressen beim Stuhlgang. 1
Diagnostisches Vorgehen
Bei Verdacht auf blutende Hämorrhoiden ist folgendes Vorgehen wichtig:
- Erhebung einer gezielten Anamnese und Durchführung einer vollständigen körperlichen Untersuchung einschließlich digitaler rektaler Untersuchung, um andere Ursachen für untere gastrointestinale Blutungen auszuschließen 2
- Überprüfung der Vitalzeichen, Bestimmung von Hämoglobin und Hämatokrit sowie Beurteilung der Gerinnung zur Einschätzung des Schweregrades der Blutung 2
- Bei schwerer Blutung: Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe 2
- Anoskopie zur Beurteilung der Hämorrhoiden und deren Klassifizierung 1
Klassifikation der Hämorrhoiden
Hämorrhoiden werden in vier Grade eingeteilt:
- Grad I: Bluten, aber prolabieren nicht
- Grad II: Prolabieren beim Stuhlgang, reponieren sich spontan
- Grad III: Prolabieren und erfordern manuelle Reposition
- Grad IV: Permanent prolabiert und können nicht reponiert werden 1
Therapeutisches Vorgehen
Konservative Therapie (erste Wahl)
- Ballaststoffreiche Ernährung (25-30g täglich)
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Sitzbäder 2-3 mal täglich
- Vermeidung von Pressen beim Stuhlgang
- Vermeidung von längerem Sitzen 1
Medikamentöse Therapie
- Bei akuter Blutung: Flavonoide in Form von mikronisierter gereinigter Flavonoidfraktion (MPFF) zur Kontrolle der akuten Blutung 3
- Osmotische Abführmittel wie Polyethylenglykol (PEG) 17g mit 240ml Wasser zweimal täglich bei Verstopfung 1
- Lokale Anwendung von Hydrocortison-Zäpfchen (5 mg) einmal täglich, typischerweise morgens, bei nicht ausreichendem Ansprechen auf konservative Maßnahmen 1
Interventionelle Verfahren (bei Versagen der konservativen Therapie)
- Gummibandligatur ist die bevorzugte Behandlungsmethode für Grad I-III Hämorrhoiden mit einer Erfolgsrate von 89%, wobei bis zu 20% wiederholte Eingriffe benötigen können 1, 4
- Sklerosierungstherapie zeigt kurzfristige Wirksamkeit bei 70-85% der Patienten, langfristige Remission jedoch nur bei einem Drittel 4
- Infrarot-Koagulation mit 70-80% Erfolg bei der Reduzierung von Blutungen und Prolaps 4
Chirurgische Therapie
- Indiziert bei Grad III-IV Hämorrhoiden, die auf konservative und ambulante Behandlungen nicht ansprechen 1, 4
- Exzisionshämorrhoidektomie gilt als Goldstandard für Grad IV Hämorrhoiden mit niedriger Rezidivrate (2-10%), jedoch längerer Erholungszeit (9-14 Tage) 4
Besondere Hinweise
- Analschmerzen sind in der Regel nicht mit unkomplizierten Hämorrhoiden verbunden und deuten auf andere Pathologien wie Thrombose, Fissur oder Abszess hin 1
- Bildgebende Untersuchungen (CT, MRT oder endoanaler Ultraschall) sollten nur bei Verdacht auf begleitende anorektale Erkrankungen (Sepsis/Abszess, entzündliche Darmerkrankung, Neoplasie) durchgeführt werden 2
- Bei immungeschwächten Patienten besteht ein höheres Infektionsrisiko bei jeglichen Eingriffen 1
- Bei Schwangeren sollte wenn möglich eine konservative Behandlung bevorzugt werden 1
Die Behandlung sollte stets dem Schweregrad der Hämorrhoiden und den individuellen Symptomen angepasst werden, wobei die konservative Therapie die Grundlage bildet und invasivere Maßnahmen bei Therapieversagen zum Einsatz kommen.