Evidenz für die Anlage von zwei externen Ventrikeldrainagen bei intraventrikulärer Blutung
Die Anlage von zwei externen Ventrikeldrainagen (EVD) anstatt einer kann bei schwerer intraventrikulärer Blutung (IVH) zu einer effektiveren Drainage des Liquors und einer schnelleren Hämatom-Clearance führen, was die Behandlungsergebnisse verbessern kann.
Aktuelle Evidenzlage
Vorteile der bilateralen EVD-Anlage
Eine randomisierte Studie hat gezeigt, dass die Verwendung von zwei EVDs im Vergleich zu einer einzelnen EVD bei schwerer IVH folgende Vorteile bietet 1:
- Signifikant höheres tägliches Liquor-Drainagevolumen (108,5 ml vs. 85,2 ml)
- Schnellere Abnahme des intraventrikulären Hämatom-Volumens über die Zeit
- Bessere Zugänglichkeit des Thrombolytikums zum intraventrikulären Gerinnsel bei gleichzeitiger Fibrinolyse
Klinische Bedeutung der IVH und EVD-Behandlung
Die intraventrikuläre Blutung ist ein unabhängiger Risikofaktor für erhöhte Mortalität und schlechtes funktionelles Outcome 2. Die Schwere korreliert mit:
- Der Blutmenge
- Der Beteiligung des dritten und vierten Ventrikels
- Der Entwicklung eines Hydrozephalus
Die European Stroke Organisation (ESO) gibt an, dass bei klinischen oder neuroradiologischen Anzeichen eines Hydrozephalus die Anlage einer EVD sinnvoll erscheint, obwohl randomisierte kontrollierte Studien fehlen 3. Die Leitlinie macht jedoch keine spezifischen Empfehlungen zur Anzahl der zu platzierenden EVDs.
Fibrinolyse und EVD-Behandlung
Eine aktuelle Meta-Analyse (2023) zeigt, dass die intraventrikuläre Fibrinolyse (IVF) in Kombination mit EVD im Vergleich zur alleinigen EVD-Behandlung folgende Vorteile bietet 3:
- Reduzierte Mortalität (22,4% vs. 40,9%)
- Verbesserte funktionelle Outcomes (47,2% vs. 38,3%)
- Verringerte Katheter-Okklusionsrate (10,6% vs. 37,3%)
Praktische Anwendung
Bei der Entscheidung für eine bilaterale EVD-Anlage sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:
- Schwere der IVH: Besonders bei hohem Graeb-Score (≥5) kann eine bilaterale Drainage vorteilhaft sein 1
- Geplante intraventrikuläre Fibrinolyse: Bei vorgesehener Fibrinolyse-Therapie ermöglichen zwei EVDs eine bessere Verteilung des Thrombolytikums
- Ausmaß des Hydrozephalus: Bei schwerem Hydrozephalus kann eine beidseitige Drainage effektiver sein
Risiken und Komplikationen
Die Anlage von zwei EVDs könnte theoretisch das Infektionsrisiko erhöhen, jedoch wurde in der Studie von 1 keine erhöhte Rate an intrakraniellen Infektionen oder Nachblutungen beobachtet.
Zusammenfassung
Während die ESO-Leitlinien keine spezifische Empfehlung zur Anzahl der EVDs geben 3, zeigt die aktuelle Forschung, dass bei schwerer IVH mit hohem Graeb-Score die Anlage von zwei EVDs zu einer effektiveren Liquordrainage und schnelleren Hämatom-Clearance führen kann 1. Dies ist besonders relevant, wenn eine intraventrikuläre Fibrinolyse durchgeführt werden soll, da die bilaterale Drainage eine bessere Verteilung des Thrombolytikums ermöglicht und die Katheter-Okklusionsrate reduziert.