Zusammenhang zwischen Essentieller Thrombozythämie und Schlaganfall
Essentielle Thrombozythämie (ET) ist ein signifikanter Risikofaktor für Schlaganfälle, wobei das Schlaganfallrisiko bei ET-Patienten deutlich erhöht ist und spezifische antithrombotische und zytoreduktive Therapien erforderlich sind.
Pathophysiologischer Zusammenhang
Die essentielle Thrombozythämie gehört zu den myeloproliferativen Neoplasien und ist durch eine abnorme Megakaryopoese und Thrombozytendysfunktion gekennzeichnet. Diese führen zu einem erhöhten Thromboserisiko, einschließlich zerebraler arterieller und venöser Thrombosen 1.
Epidemiologische Daten:
- ET kann als seltene, aber wichtige Ursache für ischämische Schlaganfälle betrachtet werden 2
- Schlaganfälle können als Erstmanifestation einer ET auftreten, bevor die hämatologische Diagnose gestellt wird 3, 4
- Bei bis zu 8/11 Patienten (73%) treten Schlaganfälle trotz bereits bestehender antithrombotischer Therapie auf 2
Risikofaktoren für Schlaganfälle bei ET:
- Alter >60 Jahre
- JAK2 V617F-Mutation (bei etwa 60% der ET-Patienten vorhanden) 5
- Vorherige thrombotische Ereignisse
- Kardiovaskuläre Risikofaktoren 1
Diagnostische Überlegungen
Bei der Diagnose einer ET im Zusammenhang mit Schlaganfällen ist zu beachten:
- Die Thrombozytenzahl muss nicht extrem erhöht sein; in einigen Fällen liegt sie unter 600×10^9/L 4
- Die JAK2 V617F-Mutation ist bei etwa 60% der ET-Patienten nachweisbar 5
- Bildgebende Verfahren zeigen häufig periventrikuläre, subkortikale oder Basalganglien-Lakunen sowie chronische ischämische Läsionen der weißen Substanz 2
- Watershed-Infarkte können auch ohne Stenosen großer Arterien auftreten 3
Therapeutische Strategien
Akutbehandlung:
- Die Akutbehandlung des ischämischen Schlaganfalls bei ET entspricht der Standardbehandlung wie bei Patienten ohne myeloproliferative Erkrankungen 1
Sekundärprävention:
Antithrombotische Therapie:
Zytoreduktive Therapie:
Kombinationstherapie:
Besondere Überlegungen:
- Bei venösen Thrombosen kann eine Kombination aus Thrombozytenaggregationshemmern und Antikoagulanzien in Betracht gezogen werden, wobei das erhöhte Blutungsrisiko zu beachten ist 1
- Engmaschige Überwachung auf Krankheitsprogression und Transformation ist erforderlich 5
Prognose und Verlauf
Trotz kombinierter antithrombotischer und zytoreduktiver Therapie besteht ein erhöhtes Risiko für rezidivierende ischämische Schlaganfälle 3. Eine frühzeitige Diagnose der ET und ein striktes Management vaskulärer Risikofaktoren können helfen, zusätzliche zerebrovaskuläre Ereignisse zu verhindern 3.
Fazit
Die essentielle Thrombozythämie stellt einen bedeutenden ätiologischen Faktor für Schlaganfälle dar, insbesondere bei jüngeren Patienten ohne klassische vaskuläre Risikofaktoren. Die frühzeitige Erkennung und adäquate Behandlung mit einer Kombination aus antithrombotischer und zytoreduktiver Therapie ist entscheidend, um das Risiko rezidivierender thrombotischer Ereignisse zu reduzieren.