Evidenz für Magnesiumsupplementierung bei Muskelkrämpfen während der Schwangerschaft
Die Evidenz für die Wirksamkeit von Magnesiumsupplementierung bei Muskelkrämpfen während der Schwangerschaft ist widersprüchlich, wobei neuere Studien einen gewissen Nutzen zeigen, insbesondere bei nachgewiesenem Magnesiummangel.
Evidenz bei schwangerschaftsbedingten Muskelkrämpfen
Wirksamkeit
- Eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2015 zeigte, dass orale Magnesiumsupplementierung die Häufigkeit und Intensität von schwangerschaftsbedingten Beinkrämpfen signifikant reduzieren kann. In dieser Studie erreichten 86% der Frauen in der Magnesiumgruppe eine 50%ige Reduktion der Krampfhäufigkeit im Vergleich zu 60,5% in der Placebogruppe (p=0,007) 1
- Eine 50%ige Reduktion der Krampfintensität wurde ebenfalls bei signifikant mehr Frauen in der Behandlungsgruppe als in der Placebogruppe beobachtet (69,8% vs. 48,8%, p=0,048) 1
- Eine weitere Studie aus dem Jahr 2017 deutet darauf hin, dass Magnesiumsupplementierung während der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit von Schwangerschaftskomplikationen verringern kann 2
Widersprüchliche Evidenz
- Ein Cochrane-Review von 2015 zu Interventionen bei Beinkrämpfen in der Schwangerschaft konnte keine eindeutigen Schlussfolgerungen ziehen. Die Ergebnisse waren inkonsistent, wobei einige Studien einen Nutzen zeigten und andere nicht 3
- Die Evidenz wurde als niedrig bis sehr niedrig eingestuft, hauptsächlich aufgrund von Einschränkungen im Studiendesign und zu kleinen Stichprobengrößen 3
Evidenz bei idiopathischen Muskelkrämpfen (nicht schwangerschaftsbedingt)
- Ein aktueller Cochrane-Review von 2020 kam zu dem Schluss, dass Magnesiumsupplementierung bei älteren Erwachsenen mit idiopathischen Muskelkrämpfen wahrscheinlich keine klinisch bedeutsame Krampfprophylaxe bietet 4
- Bei schwangerschaftsbedingten Ruhekrämpfen ist die Literatur widersprüchlich, und weitere Forschung in dieser Population wird benötigt 4
Dosierung und Sicherheit
- In Studien wurden verschiedene Magnesiumverbindungen verwendet, darunter Magnesiumbisglycinat-Chelat (300 mg täglich) 1 und Magnesiumcitrat (365 mg täglich) 5
- Nebenwirkungen waren hauptsächlich gastrointestinaler Natur (z.B. Durchfall) und traten bei 11% bis 37% der Teilnehmer auf, verglichen mit 10% bis 14% in den Kontrollgruppen 4
- Bei schwangeren Frauen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte die Magnesiumdosis reduziert werden, mit engmaschiger Überwachung der Serummagnesiumspiegel, der tiefen Sehnenreflexe, der Atemfrequenz und der Urinausscheidung 6
Praktische Empfehlungen
Bei nachgewiesenem Magnesiummangel sollte eine Supplementierung in Betracht gezogen werden, da dies die Häufigkeit und Intensität von schwangerschaftsbedingten Beinkrämpfen reduzieren kann 1, 2
Dosierung: 300 mg Magnesium täglich als Nahrungsergänzungsmittel erscheint wirksam und sicher 1
Überwachung: Auf gastrointestinale Nebenwirkungen achten, die häufigsten Nebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit und Blähungen 4
Vorsicht geboten bei Patientinnen mit eingeschränkter Nierenfunktion, da hier ein erhöhtes Risiko für Magnesiumtoxizität besteht 6
Warnzeichen für Magnesiumtoxizität
- EKG-Intervallveränderungen, AV-Knoten-Leitungsblock, Bradykardie, Hypotonie bei Magnesiumspiegeln von 6-10 mmol/L 7
- Neurologische Effekte wie Verlust der Sehnenreflexe, Sedierung, schwere Muskelschwäche und Atemdepression bei Spiegeln von 4-5 mmol/L 7
- Bei Anzeichen einer Toxizität sollte sofort Calciumchlorid (10%) 5-10 ml oder Calciumgluconat (10%) 15-30 ml zur Verfügung stehen, um der Magnesiumtoxizität entgegenzuwirken 6
Fazit
Obwohl die Evidenz nicht eindeutig ist, deuten neuere Studien darauf hin, dass Magnesiumsupplementierung bei schwangerschaftsbedingten Muskelkrämpfen wirksam sein kann, insbesondere bei nachgewiesenem Magnesiummangel. Die Behandlung erscheint sicher, mit hauptsächlich leichten gastrointestinalen Nebenwirkungen. Bei Patientinnen mit eingeschränkter Nierenfunktion ist jedoch Vorsicht geboten.