Postinterventionelle Behandlung nach akutem Stenting bei ACI-Verschluss
Nach akutem Stenting bei akutem Koronarsyndrom (ACS) wird eine duale Plättchenhemmung (DAPT) mit ASS und einem P2Y12-Rezeptorhemmer für 12 Monate empfohlen, sofern keine Kontraindikationen wie ein erhöhtes Blutungsrisiko vorliegen. 1
Initiale Therapie nach Stenting
Duale Plättchenhemmung (DAPT)
- ASS: 75-100 mg täglich langfristig
- P2Y12-Hemmer (einer der folgenden):
- Ticagrelor: 90 mg zweimal täglich (nach einer Aufsättigungsdosis von 180 mg)
- Prasugrel: 10 mg täglich (nach einer Aufsättigungsdosis von 60 mg)
- 5 mg täglich bei Patienten ≥75 Jahre oder <60 kg Körpergewicht
- Clopidogrel: 75 mg täglich (nach einer Aufsättigungsdosis von 300-600 mg) nur wenn Ticagrelor oder Prasugrel nicht verfügbar oder kontraindiziert sind 1
Beendigung der periinterventionellen Antikoagulation
- Die parenterale Antikoagulation (UFH, Enoxaparin, Bivalirudin) sollte unmittelbar nach dem Eingriff beendet werden, außer bei speziellen klinischen Situationen wie Vorhofsflimmern oder linksventrikulärem Thrombus 1
Dauer der antithrombotischen Therapie
Standarddauer
- 12 Monate DAPT nach ACS mit Stentimplantation 1
Anpassung der Dauer basierend auf Risikoprofil
Hohes Blutungsrisiko (z.B. PRECISE-DAPT ≥25):
Hohes ischämisches Risiko ohne erhöhtes Blutungsrisiko:
Besondere Situationen
Patienten mit Indikation zur oralen Antikoagulation
- Nach kurzer Triple-Therapie (bis zu 1 Woche nach dem akuten Ereignis) wird eine duale Therapie mit NOAK und einem P2Y12-Hemmer (vorzugsweise Clopidogrel) empfohlen 1
- Die Dauer der Triple-Therapie sollte minimiert werden, um das Blutungsrisiko zu begrenzen 1
- Protonenpumpenhemmer sollten bei Patienten mit Triple-Therapie verschrieben werden 1
Patienten mit geplanter Operation nach Stenting
- Elektive Operationen sollten wenn möglich verschoben werden:
De-Eskalation der DAPT
- Ein Wechsel von potenten P2Y12-Hemmern (Prasugrel, Ticagrelor) zu Clopidogrel kann als alternative Behandlungsstrategie erwogen werden, besonders bei Patienten, die für eine 12-monatige potente Plättchenhemmung ungeeignet sind 1
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen
Prasugrel ist kontraindiziert bei Patienten mit:
- Anamnese von TIA oder Schlaganfall
- Aktivem pathologischem Bluten
- Alter ≥75 Jahre (außer bei Hochrisikopatienten mit Diabetes oder Zustand nach Myokardinfarkt) 3
Vermeiden Sie ein vorzeitiges Absetzen der antithrombotischen Therapie, da dies das Risiko für Stentthrombosen, Myokardinfarkt und Tod erhöht 3
Überwachen Sie Patienten auf Blutungszeichen, insbesondere bei:
- Körpergewicht <60 kg
- Blutungsneigung
- Begleitmedikation, die das Blutungsrisiko erhöht (z.B. Antikoagulanzien, NSAIDs) 3
Die postinterventionelle Behandlung nach akutem Stenting bei ACS erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen dem Risiko thrombotischer Ereignisse und dem Blutungsrisiko, wobei die Dauer und Intensität der antithrombotischen Therapie entsprechend angepasst werden sollte.