Indikation für einen Heparinperfusor
Ein Heparinperfusor ist indiziert für eine kontinuierliche intravenöse Antikoagulation, wenn eine präzise Steuerung des Gerinnungsstatus erforderlich ist. 1
Hauptindikationen für einen Heparinperfusor
Venöse Thromboembolien (VTE):
- Akute Lungenembolie
- Tiefe Venenthrombose, besonders bei proximalen Thrombosen
- Initiale Dosierung: 80 IE/kg Bolus, gefolgt von 18 IE/kg/h Infusion 1
Kardiovaskuläre Erkrankungen:
Weitere Indikationen:
- Extrakorporale Zirkulation (z.B. ECMO, Dialyse)
- Perioperative Antikoagulation bei hohem Thromboserisiko
- Akute und chronische disseminierte intravaskuläre Gerinnung 2
Dosierung und Überwachung
Initiale Dosierung:
- Für VTE: 80 IE/kg Bolus, gefolgt von 18 IE/kg/h Infusion 1
- Für akutes Koronarsyndrom: 60-70 IE/kg Bolus (max. 5000 IE), gefolgt von 12-15 IE/kg/h (max. 1000 IE/h) 1
Überwachung:
- aPTT-Zielbereich: 1,5-2,5-fache des Kontrollwertes (entspricht Anti-Xa-Aktivität von 0,3-0,7 IE/ml) 1
- Erste aPTT-Kontrolle: 4-6 Stunden nach Beginn der Infusion 1
- Dosisanpassung: Nach standardisierten Nomogrammen (siehe Tabelle) 1
| aPTT < 35 s (< 1,2 x normal) | aPTT 35-45 s (1,2-1,5 x normal) | aPTT 46-70 s (1,5-2,3 x normal) | aPTT 71-90 s (2,3-3,0 x normal) | aPTT > 90 s (> 3 x normal) |
|---|---|---|---|---|
| 40 IE/kg Bolus, Infusionsrate um 4 IE/kg/h erhöhen | 80 IE/kg Bolus, Infusionsrate um 2 IE/kg/h erhöhen | Keine Änderung | Infusionsrate um 2 IE/kg/h reduzieren | Infusion für 1 h stoppen, dann Rate um 3 IE/kg/h reduzieren |
Vorteile des Heparinperfusors gegenüber anderen Applikationsformen
Schnelleres Erreichen therapeutischer Antikoagulation:
Bessere Steuerbarkeit:
- Kurze Halbwertszeit (60-90 Minuten) ermöglicht schnelle Anpassungen 5
- Besonders wichtig bei Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko oder bei geplanten Interventionen
Stabilere Antikoagulation:
- Vermeidung von Schwankungen der Plasmaspiegel im Vergleich zur intermittierenden Gabe 1
- Besonders relevant bei Patienten mit unvorhersehbarer Heparinclearance
Besondere Patientengruppen
Niereninsuffizienz:
- Bei schwerer Niereninsuffizienz (CrCl <15 ml/min): UFH dem LMWH vorziehen 1
- Dosisanpassung nach aPTT-Kontrollen
Adipositas:
- Gewichtsadaptierte Dosierung empfohlen 1
- Bei BMI >30: Höhere Initialdosis erforderlich
Schwangerschaft:
- UFH passiert die Plazenta nicht und ist daher in der Schwangerschaft sicher anwendbar
Vorsichtsmaßnahmen und Überwachung
Blutungsrisiko:
- Regelmäßige Kontrolle von Thrombozyten, Hämatokrit und okkultem Blut im Stuhl 2
- Besondere Vorsicht bei kürzlichen Operationen, Trauma oder invasiven Eingriffen
Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT):
- Regelmäßige Thrombozytenzählung während der Therapie
- Bei Verdacht auf HIT: Sofortiges Absetzen und alternative Antikoagulation (z.B. Argatroban) 1
Fazit
Ein Heparinperfusor ist die bevorzugte Methode zur kontinuierlichen Antikoagulation bei akuten thromboembolischen Ereignissen, insbesondere wenn eine schnelle und präzise Steuerung der Antikoagulation erforderlich ist. Die Dosierung sollte gewichtsadaptiert erfolgen und die Therapie durch regelmäßige aPTT-Kontrollen überwacht werden.