Lisinopril vs. Perindopril bei HFrEF
Bei Patienten mit Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) sind sowohl Lisinopril als auch Perindopril wirksame ACE-Hemmer, jedoch gibt es keinen eindeutigen Vorteil eines Präparats gegenüber dem anderen, da beide die Mortalität und Hospitalisierungsrate reduzieren können.
ACE-Hemmer als Grundlage der HFrEF-Therapie
- ACE-Hemmer werden von den ESC-Leitlinien mit höchstem Empfehlungsgrad (Klasse I, Evidenzgrad A) für alle symptomatischen Patienten mit HFrEF empfohlen, um das Risiko einer Hospitalisierung und Mortalität zu reduzieren 1
- ACE-Hemmer sollten zusammen mit einem Beta-Blocker als Basistherapie bei allen stabilen, symptomatischen HFrEF-Patienten eingesetzt werden 1
- Die Therapie mit ACE-Hemmern verbessert die ventrikuläre Funktion, das Wohlbefinden der Patienten und reduziert Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzinsuffizienz 1
Vergleich zwischen Lisinopril und Perindopril
Lisinopril
- In der ATLAS-Studie zeigte sich, dass höhere Dosen von Lisinopril (32,5-35 mg täglich) gegenüber niedrigen Dosen (2,5-5 mg täglich) klinisch relevante Vorteile boten 2
- Höhere Dosen von Lisinopril reduzierten das Risiko für kombinierte Endpunkte aus Morbidität und Mortalität signifikant im Vergleich zu niedrigen Dosen 2
- Lisinopril ist gut verträglich, wobei die häufigsten Nebenwirkungen Schwindel, Kopfschmerzen, Hypotonie und Durchfall sind 2
Perindopril
- Perindopril ist ein langwirksamer ACE-Hemmer, der durch seinen aktiven Metaboliten Perindoprilat wirkt 3
- In klinischen Studien verbesserte Perindopril 4 mg signifikant verschiedene hämodynamische Parameter bei Patienten mit Herzinsuffizienz 3
- Perindopril erhöht die Belastungstoleranz und reduziert Symptome der Herzinsuffizienz bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz 3
- Die PEP-CHF-Studie bei älteren Patienten mit Herzinsuffizienz zeigte jedoch keine Reduktion des primären kombinierten Endpunkts (Tod oder HF-Hospitalisierung) 1
Dosierung und Titrierung
- Bei beiden Medikamenten sollte eine schrittweise Aufdosierung erfolgen, mit regelmäßiger Kontrolle der Nierenfunktion und Serumelektrolyte 1
- Die Zieldosis für Lisinopril liegt bei 20-35 mg täglich, während für Perindopril 4-8 mg täglich empfohlen werden 1, 3
- Die Dosisanpassung sollte unter Berücksichtigung der individuellen Verträglichkeit erfolgen, insbesondere hinsichtlich Hypotonie und Nierenfunktion 1
Besondere Überlegungen
- Bei Patienten mit HFrEF, die trotz optimaler Therapie mit ACE-Hemmer, Beta-Blocker und MRA symptomatisch bleiben, sollte ein Wechsel zu Sacubitril/Valsartan in Betracht gezogen werden 1
- ACE-Hemmer sollten nicht mit ARBs oder Renin-Inhibitoren kombiniert werden, da dies das Risiko für Nierenfunktionsstörungen und Hyperkaliämie erhöht 1
- Bei Patienten mit asymptomatischer LV-Dysfunktion und Myokardinfarkt in der Vorgeschichte werden ACE-Hemmer zur Prävention oder Verzögerung der Entwicklung einer Herzinsuffizienz empfohlen 1
Praktische Empfehlungen
- Vor Beginn der Therapie sollten Nierenfunktion und Serumelektrolyte überprüft werden 1
- Nach Beginn der Therapie sollte eine erneute Kontrolle der Nierenfunktion und Serumelektrolyte innerhalb von 1-2 Wochen erfolgen 1
- Bei beiden Medikamenten ist auf das Risiko einer Hypotonie, insbesondere bei der ersten Dosis, zu achten 1, 3
- Perindopril könnte bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine First-Dose-Hypotonie vorteilhaft sein, da es im Vergleich zu anderen ACE-Hemmern eine geringere Inzidenz dieser Nebenwirkung aufweist 3
Fazit
Beide ACE-Hemmer, Lisinopril und Perindopril, sind wirksame Optionen für Patienten mit HFrEF. Die Wahl zwischen beiden sollte unter Berücksichtigung der individuellen Patientenmerkmale, Komorbiditäten und Verträglichkeit getroffen werden. Die ESC-Leitlinien differenzieren nicht zwischen verschiedenen ACE-Hemmern bei der Behandlung von HFrEF, was darauf hindeutet, dass ein Klasseneffekt vorliegt 1.