Komplikationen bei zweiter oder dritter Geburt
Bei zweiten oder dritten Geburten gibt es sowohl Vor- als auch Nachteile hinsichtlich möglicher Komplikationen, wobei Mehrgebärende insgesamt ein erhöhtes Risiko für bestimmte Komplikationen wie Plazentationsstörungen und schwere postpartale Blutungen aufweisen.
Risiken bei Mehrgebärenden im Vergleich zu Erstgebärenden
Erhöhte Risiken bei Mehrgebärenden:
- Höhere Rate an hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen (6,4% vs. 5,0%) 1
- Gestationsdiabetes tritt häufiger auf (25,3% vs. 23,1%) 1
- Erhöhtes Risiko für Placenta praevia (3,0% vs. 2,3%) 1
- Höhere Rate an Plazentationsanomalien wie Placenta accreta (2,4% vs. 1,8%) 1
- Signifikant höheres Risiko für schwere postpartale Blutungen (2,8% vs. 1,9%) 1
- Bei Zwillingsschwangerschaften: erhöhtes Risiko für fetalen Tod (3-4-mal höher bei monochorialen Zwillingen) 2
Vorteile bei Mehrgebärenden:
- Niedrigere primäre Kaiserschnittrate bei unkomplizierten Schwangerschaften 1
- Geringeres Risiko für Geburtsstillstand und protrahierte Geburt 1
Spezifische Risiken bei Mehrgebärenden
Narbengebärmutter nach vorherigem Kaiserschnitt:
- Erhöhtes Risiko für Uterusruptur 1
- Höhere Wahrscheinlichkeit für erneuten Kaiserschnitt 1
- Erhöhtes Risiko für Plazentationsstörungen (Placenta praevia und Placenta accreta) 1
Alter und Mehrgebärende:
- Der Anteil älterer Schwangerer (>40 Jahre) ist bei Mehrgebärenden höher (3,6% vs. 2%) 1
- Fortgeschrittenes Alter in Kombination mit Multiparität erhöht das Risiko für:
Besonderheiten bei Mehrlingsschwangerschaften
Risiken bei Mehrlingsschwangerschaften:
- Fetaler Tod tritt bei bis zu 5% der Zwillingsschwangerschaften im zweiten und dritten Trimester auf 2
- Diskordantes Wachstum bei Zwillingen ist mit erhöhter Mortalität und Morbidität verbunden 2
- Bei monochorialen Zwillingen besteht ein 10-20% Risiko für ein fetofetales Transfusionssyndrom (FFTS) mit einer Mortalitätsrate von über 70% bei unbehandeltem schwerem FFTS im mittleren zweiten Trimester 2
- Signifikante Gewichtsunterschiede zwischen Zwillingen (>20% Diskordanz) sind mit erhöhter Morbidität und Mortalität verbunden 2
Präventionsmaßnahmen und Überwachung
Allgemeine Empfehlungen:
- Frühzeitige und regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge, idealerweise vor der 10. Schwangerschaftswoche 3
- Screening und Behandlung von Parodontalerkrankungen zur Verringerung des Risikos einer Frühgeburt 3
- Folsäuresupplementierung (400-800 mcg täglich) zur Verringerung des Risikos von Neuralrohrdefekten 3
Spezifische Maßnahmen für Mehrgebärende:
- Engmaschige Überwachung bei Vorliegen einer Narbengebärmutter 1
- Bei Zustand nach Kaiserschnitt: sorgfältige Evaluation der Plazentalokalisation zum Ausschluss einer Placenta praevia oder Placenta accreta 1
- Bei Mehrlingsschwangerschaften: häufigere Ultraschallkontrollen (alle 2-3 Wochen bei monochorialen Zwillingen) 2
Fazit
Die Evidenz zeigt, dass Mehrgebärende im Vergleich zu Erstgebärenden ein verändertes Risikoprofil aufweisen. Während bestimmte Komplikationen wie Plazentationsstörungen und schwere postpartale Blutungen häufiger auftreten, ist das Risiko für einen primären Kaiserschnitt bei unkomplizierten Schwangerschaften geringer. Eine individualisierte Betreuung unter Berücksichtigung der geburtshilflichen Vorgeschichte, des mütterlichen Alters und weiterer Risikofaktoren ist entscheidend für ein optimales Outcome.