SNRIs und Hyponatriämie: Neueste Erkenntnisse im Vergleich zu SSRIs
Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass SNRIs (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) tatsächlich mit einem höheren Risiko für Hyponatriämie verbunden sind als SSRIs (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer).
Vergleich der Hyponatriämie-Risiken zwischen Antidepressiva-Klassen
SNRIs und Hyponatriämie
- Venlafaxin wird mit einem erhöhten Risiko für Hyponatriämie in Verbindung gebracht, mit Inzidenzraten zwischen 0,08% und 70% in verschiedenen Studien 1
- Duloxetin wurde in Fallberichten mit schwerem SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion) und resultierender Hyponatriämie in Verbindung gebracht 2
- SNRIs zeigen in neueren Untersuchungen konsistent höhere Odds Ratios für Hyponatriämie als trizyklische Antidepressiva 1
SSRIs und Hyponatriämie
- SSRIs sind ebenfalls bekannt für ihr Hyponatriämie-Risiko, mit Inzidenzraten zwischen 0,06% und 40% 1
- Sertralin wurde in einer chinesischen Studie mit einem signifikant höheren Risiko für Hyponatriämie im Vergleich zu anderen Antidepressiva in Verbindung gebracht 3
- Die Odds Ratios für SSRIs (1,5-21,6) waren in vergleichenden Studien durchweg höher als für trizyklische Antidepressiva (1-4,9), aber niedriger als für SNRIs 1
Risikofaktoren für Antidepressiva-induzierte Hyponatriämie
- Höheres Alter ist ein signifikanter Risikofaktor (Odds Ratio = 6,3) 1
- Weibliches Geschlecht erhöht das Risiko für Hyponatriämie 4
- Gleichzeitige Einnahme von Thiazid-Diuretika verstärkt das Risiko erheblich (Odds Ratio = 11,2-13,5) 1
- Niedriges Körpergewicht und Natriumwerte im unteren Normbereich vor Therapiebeginn sind weitere Risikofaktoren 4
- Niereninsuffizienz kann das Risiko zusätzlich erhöhen 3
Zeitlicher Verlauf und Mechanismus
- Die Hyponatriämie tritt typischerweise innerhalb der ersten Behandlungswochen auf, in einer Studie durchschnittlich nach 7,65 (±4,88) Tagen 3
- Der Mechanismus ist hauptsächlich auf SIADH zurückzuführen, wobei Serotonin und Noradrenalin die ADH-Freisetzung beeinflussen 2
- Die duale Wirkung der SNRIs auf Serotonin und Noradrenalin könnte das erhöhte Risiko im Vergleich zu SSRIs erklären 1
Klinische Überwachung und Management
- Bei Patienten mit Risikofaktoren sollte eine regelmäßige Kontrolle der Elektrolyte erfolgen, besonders in den ersten Wochen der Behandlung 4
- Bei Auftreten einer Hyponatriämie normalisieren sich die Natriumwerte meist innerhalb von Tagen bis Wochen nach Absetzen des Medikaments 5
- Mirtazapin könnte eine Alternative mit geringerem Hyponatriämie-Risiko darstellen 1
- Bei schwerer Hyponatriämie (Na+ <130 mmol/L) sollte das Antidepressivum abgesetzt und eine Natriumsubstitution erwogen werden 3
Fazit
Die aktuelle Evidenz deutet darauf hin, dass SNRIs tatsächlich mit einem höheren Risiko für Hyponatriämie verbunden sind als SSRIs. Dies ist besonders relevant bei älteren Patienten, Frauen und bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika. Bei diesen Hochrisikopatienten sollten regelmäßige Elektrolytkontrollen durchgeführt und gegebenenfalls alternative Antidepressiva mit geringerem Hyponatriämie-Risiko wie Mirtazapin in Betracht gezogen werden.