Rangfolge der Psychopharmaka nach Hyponatriämierisiko
Die Rangfolge der Psychopharmaka nach ihrem Risiko für Hyponatriämie ist wie folgt: Oxcarbazepin (höchstes Risiko), gefolgt von Carbamazepin, SNRI, SSRI, während Antipsychotika, Mirtazapin und trizyklische Antidepressiva das geringste Risiko aufweisen.
Risikoeinstufung nach Medikamentengruppen
Höchstes Risiko
Mittleres Risiko
- SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) (0,08% Inzidenz) 1
- SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) (0,06% Inzidenz) 1
Niedriges Risiko
- Antipsychotika (0,003-0,005% Inzidenz) 1
- Mirtazapin (0,003-0,005% Inzidenz) 1
- Trizyklische Antidepressiva (0,003-0,005% Inzidenz) 1
Risikofaktoren für die Entwicklung einer Hyponatriämie
Die Wahrscheinlichkeit einer Hyponatriämie steigt deutlich an bei:
- Höheres Alter 2
- Weibliches Geschlecht 2
- Niedriges Körpergewicht 2
- Niedrige Natrium-Ausgangswerte 2
- Polypharmazie, insbesondere Kombinationen mit Diuretika oder ACE-Hemmern 1
Kombinationsrisiken
- Die Kombination von SSRI mit Diuretika und ACE-Hemmern erhöht das Hyponatriämierisiko mehr als 10-fach (0,37%) im Vergleich zur alleinigen SSRI-Gabe (0,02%) 1
- Solche Kombinationen sind besonders bei älteren Patienten zu beachten, die generell ein höheres Risiko für Hyponatriämie haben 1
Zeitlicher Verlauf
- Hyponatriämie tritt meist innerhalb der ersten Wochen nach Behandlungsbeginn auf 3
- Die Normalisierung der Natriumwerte erfolgt in der Regel innerhalb von 2 Wochen nach Absetzen der Medikation 2
Pathophysiologie
- Der Hauptmechanismus der psychopharmaka-induzierten Hyponatriämie ist das Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) 4
- Die Hyponatriämie kann asymptomatisch verlaufen oder zu schwerwiegenden neurologischen und psychiatrischen Symptomen führen 1
Klinische Symptome
- Bei Natriumwerten um 121 mmol/l sind Patienten häufig asymptomatisch 1
- Bei Werten unter 116 mmol/l treten häufiger klinische Symptome auf 1
- Frühe Symptome umfassen Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Kopfschmerzen, Schwäche, Reizbarkeit, Unruhe, Lethargie, Verwirrtheit und Krämpfe 4
- Die Symptomatik kann mit der psychischen Grunderkrankung verwechselt werden, was die Diagnose verzögern kann 4
Management
- Bei Verdacht auf SIADH sollte die plasmatische Osmolalität gemessen werden 4
- Eine Urinosmolalität ≥100 mOsm/kg kombiniert mit erhöhter Natriumkonzentration im Urin deutet auf SIADH hin 4
- Die Hauptbehandlung besteht aus Medikamentenüberwachung und Normalisierung des extrazellulären Flüssigkeitsvolumens 4
- Bei leichteren Fällen: Flüssigkeitsrestriktion und milde Diurese mit Schleifendiuretika 2
- Bei schwereren Fällen: höhere Dosen von Schleifendiuretika und hypertone Kochsalzlösung 2
- Die Korrektur des Natriumspiegels sollte nicht schneller als 8-10 mmol/l pro 24 Stunden erfolgen, um neurologische Komplikationen zu vermeiden 5