Akutbehandlung des Wolff-Parkinson-White-Syndroms in Deutschland
Bei hämodynamisch instabilen Patienten mit Wolff-Parkinson-White-Syndrom und schneller Überleitung über eine akzessorische Leitungsbahn ist die sofortige elektrische Kardioversion die Therapie der ersten Wahl. 1
Behandlungsalgorithmus basierend auf der klinischen Präsentation
Hämodynamisch instabile Patienten
- Sofortige elektrische Kardioversion zur Verhinderung von Kammerflimmern (Klasse I Empfehlung) 1
- Reanimationsausrüstung bereithalten, da bei WPW mit schneller ventrikulärer Antwort ein hohes Risiko für die Entwicklung von Kammerflimmern besteht 1
Hämodynamisch stabile Patienten mit breitem QRS-Komplex (≥120 ms)
- Intravenöses Procainamid oder Ibutilid zur Wiederherstellung des Sinusrhythmus (Klasse I Empfehlung) 1
- Alternative Medikamente bei stabilen Patienten mit Präexzitation: intravenöses Chinidin, Disopyramid oder Amiodaron (Klasse IIb Empfehlung) 1
Langfristige Behandlung
- Katheterablation der akzessorischen Leitungsbahn bei symptomatischen Patienten, insbesondere bei dokumentiertem Vorhofflimmern oder Synkopen (Klasse I Empfehlung) 1
Wichtige Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
STRIKT KONTRAINDIZIERT ist die intravenöse Gabe von AV-Knoten-blockierenden Substanzen wie: 1
- Digitalis-Glykoside
- Diltiazem oder Verapamil
- Beta-Blocker
- Adenosin (bei breitem QRS-Komplex)
Diese Medikamente können die Refraktärzeit des AV-Knotens verlängern und dadurch die bevorzugte Leitung über die akzessorische Bahn fördern, was zu einer gefährlichen Beschleunigung der ventrikulären Frequenz oder sogar zu Kammerflimmern führen kann 1
Besondere Überlegungen
- Adenosin kann nur angewendet werden, wenn der QRS-Komplex während der Tachykardie schmal ist (<120 ms), was auf eine anterograde Leitung über den AV-Knoten hinweist 1
- Patienten mit WPW-Syndrom und kurzen antegraden Refraktärzeiten der Leitungsbahn (<250 ms) haben ein erhöhtes Risiko für plötzlichen Herztod 1
- Die Ablation der akzessorischen Leitungsbahn verhindert nicht unbedingt das Auftreten von Vorhofflimmern, insbesondere bei älteren Patienten, und eine zusätzliche pharmakologische Therapie kann erforderlich sein 1
Zusammenfassung
Bei der Akutbehandlung des WPW-Syndroms in Deutschland ist die sofortige Beurteilung der hämodynamischen Stabilität entscheidend. Bei Instabilität ist die elektrische Kardioversion die erste Wahl, bei Stabilität mit breitem QRS-Komplex ist Procainamid oder Ibutilid zu bevorzugen. Die strikte Vermeidung von AV-Knoten-blockierenden Substanzen ist essentiell, um eine lebensbedrohliche Beschleunigung der ventrikulären Frequenz zu verhindern. 1