Limitationen der Linezolid-Therapie
Linezolid hat trotz seiner Wirksamkeit bei Gram-positiven Infektionen mehrere wichtige Einschränkungen, die bei der Therapie berücksichtigt werden müssen. Die bedeutendsten Limitationen von Linezolid sind die hämatologischen Nebenwirkungen (insbesondere Thrombozytopenie), das Risiko für periphere und optische Neuropathie bei Langzeitanwendung sowie mögliche Arzneimittelinteraktionen durch seine MAO-hemmende Wirkung. 1
Hämatologische Nebenwirkungen
- Myelosuppression (einschließlich Anämie, Leukopenie, Panzytopenie und Thrombozytopenie) wurde bei Patienten unter Linezolid-Therapie berichtet 1
- Thrombozytopenie tritt bei etwa 2,4% der mit Linezolid behandelten Patienten auf, besonders bei Behandlungsdauer >2 Wochen 2
- Wöchentliche Überwachung des Blutbildes wird bei Patienten empfohlen, die Linezolid länger als zwei Wochen erhalten 1
- Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit vorbestehender Myelosuppression, bei gleichzeitiger Einnahme knochenmarksupprimierender Medikamente oder bei chronischen Infektionen mit vorheriger Antibiotikabehandlung 1
Neurologische Nebenwirkungen
- Periphere und optische Neuropathie wurden bei Patienten berichtet, die mit Linezolid behandelt wurden, insbesondere bei Behandlungsdauer >28 Tage 1
- Bei optischer Neuropathie, die bis zum Sehverlust fortschreiten kann, wurden Patienten oft über die empfohlene Maximaldauer von 28 Tagen hinaus behandelt 1
- Regelmäßige ophthalmologische Untersuchungen sind bei Langzeittherapie (≥3 Monate) und bei allen Patienten mit neuen Sehsymptomen erforderlich 1
Pharmakologische Interaktionen
- Linezolid ist ein reversibler, nicht-selektiver MAO-Hemmer und kann mit adrenergen und serotonergen Substanzen interagieren 1
- Risiko eines Serotonin-Syndroms bei gleichzeitiger Anwendung mit serotonergen Substanzen wie SSRI-Antidepressiva 1
- Patienten sollten große Mengen tyraminhaltiger Nahrungsmittel vermeiden (>100 mg Tyramin pro Mahlzeit) 1
- Blutdruckerhöhungen wurden bei gleichzeitiger Anwendung mit Pseudoephedrin oder Phenylpropanolamin beobachtet 1
Gastrointestinale Nebenwirkungen
- Häufige Nebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit und Erbrechen 2
- Clostridium difficile-assoziierte Diarrhoe (CDAD) wurde berichtet, kann von milder Diarrhoe bis zur tödlichen Kolitis reichen 1
- Die Suspension kann bei Kindern aufgrund des Geschmacks schlecht toleriert werden 3
Resistenzentwicklung
- Resistenz gegen Linezolid tritt in vitro mit einer Häufigkeit von 1 × 10⁻⁹ bis 1 × 10⁻¹¹ auf 1
- Resistenzentwicklung während der Therapie wurde bei Enterococcus faecium und Staphylococcus aureus berichtet 1
- Längere Anwendung erhöht das Risiko einer Resistenzentwicklung 4
Pharmakokinetische Limitationen
- Variabilität in der Pharmakokinetik bei bestimmten klinischen Zuständen (z.B. Sepsis, Verbrennungen, terminale Niereninsuffizienz, zystische Fibrose) 5
- Linezolid kann seinen eigenen Metabolismus durch Hemmung der Proteinsynthese in Mitochondrien beeinflussen, was zu erhöhten Plasmaspiegeln und einem erhöhten Toxizitätsrisiko führen kann 5
- Bei bestimmten Patientengruppen kann eine Dosisanpassung oder eine Änderung des Verabreichungsschemas erforderlich sein 5
Anwendungsbeschränkungen
- Nicht zur Behandlung von Katheter-assoziierten Blutstrominfektionen oder Katheter-Infektionen zugelassen 1
- Keine klinische Aktivität gegen Gram-negative Erreger 1
- Bakteriostatische Wirkung (im Gegensatz zu bakteriziden Mitteln) bei Staphylokokken und Enterokokken 1
- Sicherheit und Wirksamkeit bei Anwendung über 28 Tage wurden in kontrollierten klinischen Studien nicht untersucht 1
Empfehlungen zur Überwachung
- Wöchentliche Überwachung des Blutbildes bei Behandlungsdauer >14 Tage 1
- Ophthalmologische Untersuchung bei Sehstörungen oder Langzeitanwendung 1
- Überwachung auf Anzeichen und Symptome eines Serotonin-Syndroms bei gleichzeitiger Anwendung serotonerger Substanzen 1
- Bei Anzeichen einer Myelosuppression sollte ein Absetzen der Therapie erwogen werden 1
Trotz dieser Limitationen bleibt Linezolid eine wichtige Behandlungsoption für Infektionen mit multiresistenten Gram-positiven Bakterien, insbesondere MRSA und VRE 4. Um die Wirksamkeit zu erhalten und die Resistenzentwicklung zu minimieren, sollte die Anwendung jedoch auf Infektionen mit hoher Morbidität und Mortalität beschränkt werden, insbesondere solche, die durch multiresistente Bakterien verursacht werden 4.