Therapie für chronische Niereninsuffizienz KDIGO G3a
Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz im Stadium G3a (eGFR 45-59 ml/min/1,73 m²) wird eine Statin- oder Statin/Ezetimib-Kombinationstherapie für Patienten über 50 Jahre empfohlen, zusammen mit einer individualisierten Blutdruckkontrolle, Ernährungsanpassung und Überwachung des Kalium- und Säure-Basen-Haushalts. 1
Kardiovaskuläres Risikomanagement
- Bei Erwachsenen ≥50 Jahre mit eGFR <60 ml/min/1,73 m² (G3a-G5) wird eine Behandlung mit einem Statin oder einer Statin/Ezetimib-Kombination empfohlen (starke Empfehlung, 1A) 1
- Bei Erwachsenen 18-49 Jahre mit CKD G3a wird eine Statintherapie empfohlen, wenn mindestens einer der folgenden Risikofaktoren vorliegt: koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, ischämischer Schlaganfall in der Vorgeschichte oder ein geschätztes 10-Jahres-Risiko für koronaren Tod oder nicht-tödlichen Myokardinfarkt >10% (2A) 1
- Statin-basierte Therapien sollten so gewählt werden, dass sie die maximale absolute Reduktion des LDL-Cholesterins erreichen 1
- Eine pflanzliche "mediterrane" Ernährung sollte zusätzlich zur lipidsenkenden Therapie erwogen werden 1
Blutdruckkontrolle und Nephroprotektion
- ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) wie Losartan können bei Patienten mit CKD G3a eingesetzt werden, besonders bei Vorliegen von Proteinurie 2
- Losartan hat in Studien gezeigt, dass es das Risiko für eine Verdoppelung des Serumkreatinins um 25% und das Risiko für terminales Nierenversagen um 29% reduzieren kann 2
- Die Dosisanpassung von Medikamenten sollte entsprechend der Nierenfunktion erfolgen 1
Metabolische Komplikationen
Hyperurikämie
- Bei symptomatischer Hyperurikämie (Gicht) sollte eine harnsäuresenkende Therapie angeboten werden (1C) 1
- Xanthinoxidase-Hemmer sind urikosurischen Substanzen vorzuziehen 1
- Bei asymptomatischer Hyperurikämie wird eine harnsäuresenkende Therapie zur Verzögerung der CKD-Progression nicht empfohlen (2D) 1
- Nicht-pharmakologische Maßnahmen zur Gichtprävention umfassen die Begrenzung von Alkohol, Fleisch und Maissirup mit hohem Fruktosenanteil 1
Metabolische Azidose
- Eine pharmakologische Behandlung mit oder ohne Ernährungsintervention sollte erwogen werden, um die Entwicklung einer Azidose zu verhindern (z.B. Serumbikarbonat <18 mmol/l) 1
- Die Behandlung sollte überwacht werden, um sicherzustellen, dass die Serumbikarbonatkonzentration nicht die obere Normgrenze überschreitet und keine negativen Auswirkungen auf die Blutdruckkontrolle, das Serumkalium oder den Flüssigkeitshaushalt hat 1
Kaliummanagement
- Bei Patienten mit CKD G3a-G5 und Hyperkaliämie sollte ein individueller Ansatz verfolgt werden, der diätetische und pharmakologische Interventionen umfasst 1
- Die Aufnahme von Lebensmitteln mit hohem Kaliumgehalt (z.B. verarbeitete Lebensmittel) sollte bei Patienten mit CKD G3a-G5 mit Hyperkaliämie in der Vorgeschichte begrenzt werden 1
Ernährungstherapie
- Eine proteinreduzierte Diät (0,8 g/kg/Tag) kann bei Patienten mit CKD G3a erwogen werden, da Studien zeigen, dass dies den GFR-Abfall verlangsamen kann 3
- Die Beratung durch einen Ernährungsberater wird empfohlen, um die Einhaltung der Diät zu verbessern 3
Überwachung und Nachsorge
- Eine frühe Diagnose und Behandlung der CKD G3a ist entscheidend, da eine verzögerte Diagnose mit einem erhöhten Risiko für das Fortschreiten zu CKD Stadium 4/5 (HR 1,40), Nierenversagen (HR 1,63) und kardiovaskulären Ereignissen (HR 1,08) verbunden ist 4
- Regelmäßige Überwachung der Nierenfunktion ist wichtig, da die Einteilung in G3a und G3b die Prognose besser vorhersagen kann 5
- Bei Patienten mit Vorhofflimmern wird die Verwendung von nicht-Vitamin-K-antagonistischen oralen Antikoagulanzien (NOACs) gegenüber Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Warfarin) empfohlen (1C), wobei eine Dosisanpassung entsprechend der GFR erforderlich ist 1
Besondere Überlegungen
- Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und CKD G3a ist eine strenge Kontrolle der Krankheitsaktivität wichtig, da eine höhere Krankheitsaktivität mit einem beschleunigten GFR-Abfall und einem erhöhten Risiko für klinisch relevante Nierenfunktionsstörungen verbunden ist 6
- Bei stabiler, durch Stresstest bestätigter ischämischer Herzerkrankung ist ein anfänglicher konservativer Ansatz mit intensiver medikamentöser Therapie eine geeignete Alternative zu einer anfänglichen invasiven Strategie (2D) 1
Die Therapie der CKD G3a erfordert einen umfassenden Ansatz mit Fokus auf kardiovaskuläres Risikomanagement, Nephroprotektion und Behandlung metabolischer Komplikationen, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern.