Ätiologie und Behandlung der Hypernatriämie
Die Behandlung der Hypernatriämie sollte auf der Ätiologie basieren, wobei die Korrekturgeschwindigkeit bei chronischer Hypernatriämie (>48h) 8-10 mmol/l/Tag nicht überschreiten sollte, um neurologische Komplikationen zu vermeiden. 1
Ätiologie der Hypernatriämie
Hypernatriämie liegt vor, wenn die Natriumkonzentration im Plasma über 145 mmol/l steigt. Je nach Dauer unterscheidet man zwischen akuter und chronischer Hypernatriämie, nach Schweregrad zwischen milder, moderater und schwerer Hypernatriämie. 2
Basierend auf der Pathogenese kann Hypernatriämie in folgende Kategorien eingeteilt werden:
- Hypervolämische Hypernatriämie: Entsteht durch erhöhte Natriumzufuhr (z.B. hypertone NaCl- und NaHCO3-Lösungen) oder bei primärem Hyperaldosteronismus 2
- Euvolämische Hypernatriämie: Tritt bei Diabetes insipidus auf, der entweder neurogen (zentral) oder nephrogen sein kann 2
- Hypovolämische Hypernatriämie: Verursacht durch renale oder extrarenale Flüssigkeitsverluste 2
Häufige Ursachen der Hypernatriämie sind:
- Beeinträchtigter Durstmechanismus oder fehlender Zugang zu Wasser 3
- Übermäßige Natriumzufuhr (selten) 1
- Diabetes insipidus (zentral oder nephrogen) 2
- Exzessive Wasserverluste im Vergleich zur Natriumausscheidung 1
Klinische Präsentation
Die klinische Präsentation ist oft gekennzeichnet durch:
Diagnostisches Vorgehen
Für die Differentialdiagnose sind folgende Schritte wichtig:
- Ausschluss einer Pseudohypernatriämie 4
- Bestimmung des glukosekorrigierten Natriumwerts 4
- Beurteilung des Volumenstatus des Patienten 1, 4
- Messung der Natrium- und Osmolalitätswerte im Urin 1, 4
- Bestimmung von Urinvolumen und -osmolalität 4
- Überprüfung der laufenden Elektrolyt-Freiwasser-Clearance im Urin 4
- Bestimmung der Arginin-Vasopressin/Copeptin-Spiegel 4
- Beurteilung anderer Elektrolytstörungen 4
Behandlung der Hypernatriämie
Die Behandlung richtet sich nach der Ätiologie und dem Zeitverlauf der Hypernatriämie:
Allgemeine Behandlungsprinzipien:
- Hauptziel: Wiederherstellung der Plasmatonizität 2
- Korrekturgeschwindigkeit:
Spezifische Behandlungsansätze:
Hypervolämische Hypernatriämie:
Euvolämische Hypernatriämie (Diabetes insipidus):
Hypovolämische Hypernatriämie:
Praktisches Vorgehen bei der Behandlung:
- Identifizierung der Grundursache 4
- Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Hypernatriämie 4
- Bestimmung der Menge und Rate der Wasserverabreichung 4
- Auswahl der geeigneten Ersatzlösung (meist hypotone Lösungen) 1, 4
- Anpassung des Behandlungsschemas 4
- Erwägung zusätzlicher Therapie bei Diabetes insipidus 4
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen:
- Engmaschige Laborkontrollen während der Korrektur 1
- Besondere Vorsicht bei Beginn einer Nierenersatztherapie bei Patienten mit chronischer Hypernatriämie 1
- Vermeidung zu schneller Natriumkorrekturen, um neurologische Komplikationen zu verhindern 1, 2
Bei intensivpflichtigen Patienten ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich, da diese oft ein beeinträchtigtes Bewusstsein haben und ihre Wasserbilanz nicht mehr durch Durst und Wasseraufnahme regulieren können, sondern vom Arzt gesteuert werden muss 5.