Psychosenformen (Formen von psychotischen Störungen)
Die wichtigsten Formen psychotischer Störungen umfassen Schizophrenie, wahnhafte Störung, bipolare Störung mit psychotischen Merkmalen, Depression mit psychotischen Merkmalen, substanzinduzierte Psychosen und organisch bedingte Psychosen, die jeweils durch charakteristische Symptommuster gekennzeichnet sind und unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern. 1
Primäre Psychotische Störungen
Schizophrenie: Gekennzeichnet durch positive Symptome (Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Denkstörungen) und negative Symptome (Affektverflachung, Energielosigkeit, Spracharmut). Die DSM-Klassifikation betrachtet Schizophrenie als das schwere Ende eines Spektrums psychotischer Störungen 2
Schizophrenie-Subtypen: Nach DSM-IV und ICD-10 werden verschiedene Subtypen unterschieden, darunter:
- Paranoider Typ (mit vorherrschenden Wahnvorstellungen)
- Desorganisierter Typ (hebephrener Typ)
- Katatoner Typ
- Undifferenzierter Typ
- Residualer Typ 1
Zusätzliche ICD-10 Subtypen: Die ICD-10 enthält zusätzlich die Subtypen "einfache Schizophrenie" und "postschizophrene Depression", die im DSM-IV nicht vorkommen 1
Wahnhafte Störung: Charakterisiert durch anhaltende Wahnvorstellungen ohne die anderen typischen Symptome der Schizophrenie. Eine umfassende diagnostische Beurteilung sollte detaillierte Interviews mit Patient und Familie, Dokumentation spezifischer psychotischer Symptome und eine gründliche Anamnese umfassen 3
Symptomatologie psychotischer Störungen
Positive Symptome: Umfassen Halluzinationen (besonders akustische), Wahnvorstellungen und Denkstörungen. Diese Symptome nehmen mit dem Alter linear zu und sind häufiger bei Patienten mit einem IQ über 85 1
Negative Symptome: Beinhalten Affektverflachung, Energielosigkeit, Spracharmut und sozialen Rückzug. Diese Symptome sind häufiger mit Hirnschädigungen assoziiert 1
Disorganisierte Symptome: Stellen möglicherweise eine unabhängige dritte Dimension dar und umfassen desorganisierte Sprache (Denkstörung), bizarres Verhalten und Aufmerksamkeitsstörungen 1
Kognitive Beeinträchtigungen: 10-20% der Kinder mit früh beginnender Schizophrenie haben IQ-Werte im Grenzbereich zur geistigen Behinderung. Sprachliche und kommunikative Defizite sind häufig 1
Sekundäre Psychosen
Substanzinduzierte Psychosen: Verursacht durch Alkohol, Kokain, Amphetamine, Cannabis und andere Substanzen. Diese können psychotische Reaktionen bei ansonsten psychisch gesunden Personen hervorrufen 4
Medizinisch bedingte Psychosen: Können durch verschiedene medizinische Zustände verursacht werden, darunter:
- Endokrine Störungen
- Autoimmunerkrankungen
- Neoplasien und paraneoplastische Prozesse
- Neurologische Erkrankungen
- Infektionen
- Genetische oder Stoffwechselstörungen
- Mangelernährung 1
Medikamenteninduzierte Psychosen: Bestimmte Medikamente wie Calcineurin-Inhibitoren (z.B. Tacrolimus) können psychotische Störungen verursachen 5
Differentialdiagnostik
Abgrenzung von Delirium: Im Gegensatz zu anderen Formen von akuten Bewusstseinsveränderungen bleibt bei Psychosen das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit häufig intakt 1
Akustische Halluzinationen: Diese sind nicht zwangsläufig ein Zeichen einer psychotischen Störung und können auch bei Borderline-Persönlichkeitsstörung, posttraumatischer Belastungsstörung, Hörverlust oder Schlafstörungen auftreten 6
Differentialdiagnose zu affektiven Störungen: Besonders die bipolare Störung mit psychotischen Merkmalen sollte in der Differentialdiagnose berücksichtigt werden 3
Diagnostische Fallstricke
Vorzeitige Diagnose: Eine vorschnelle Diagnose ohne ausreichende Längsschnittbeurteilung und das Versäumnis, medizinische Ursachen psychotischer Symptome auszuschließen 3
Fehldiagnose: Verwechslung einer bipolaren Störung mit psychotischen Merkmalen mit einer wahnhaften Störung oder Schizophrenie 3
Kulturelle Faktoren: Fehlinterpretation kultureller oder religiöser Überzeugungen als psychotische Symptome 3
Bei Kindern: Verwechslung von Berichten über psychoseähnliche Phänomene mit echten psychotischen Symptomen 3
Behandlungsansätze
Primäre Psychosen: Behandlung umfasst pharmakologisches Management mit Antipsychotika, psychologische Therapie und psychosoziale Interventionen 1
Sekundäre Psychosen: Behandlung zielt auf die zugrundeliegende medizinische Ursache und Kontrolle der psychotischen Symptome ab 1
Multimodaler Ansatz: Ein umfassender multimodaler Ansatz, der Symptome, Komorbiditäten und psychosoziale Stressfaktoren berücksichtigt, wird für die Behandlung wahnhafter Störungen empfohlen 3