Antidepressiva bei Sexsucht: Wirkmechanismus und Behandlungsansatz
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) sind die wirksamste medikamentöse Behandlung für Sexsucht, da sie durch Erhöhung der Serotoninspiegel im Gehirn zwanghafte sexuelle Verhaltensweisen reduzieren und gleichzeitig die Libido senken können.
Wirkmechanismus von Antidepressiva bei Sexsucht
- Antidepressiva, insbesondere SSRIs, erhöhen die Serotonin-Konzentration im Gehirn, was zu einer Verringerung von zwanghaftem sexuellen Verhalten führt 1
- Die sexuelle Dysfunktion, die als Nebenwirkung von SSRIs bekannt ist, wird bei der Behandlung von Sexsucht therapeutisch genutzt 2
- SSRIs können sowohl kompulsive als auch impulsive Komponenten der Sexsucht positiv beeinflussen, da sie auf die Serotonin-Neurotransmission wirken 3
- Die Wirkung tritt oft bereits nach 4 Wochen ein und reduziert selektiv problematisches sexuelles Verhalten, während normales sexuelles Verhalten weniger beeinträchtigt wird 3
Empfohlene Medikamente und Dosierung
- Fluoxetin hat sich in klinischen Studien als wirksam bei der Behandlung von nicht-paraphiler Sexsucht erwiesen 3, 4
- Paroxetin wird aufgrund seiner starken Wirkung auf die Verzögerung der Ejakulation (8-fache Verlängerung gegenüber der Baseline) als besonders wirksam angesehen 5
- Andere wirksame SSRIs umfassen Sertralin (50-200 mg), Citalopram (20-40 mg) und Clomipramin (12,5-50 mg) 5
- Die Behandlung kann entweder als tägliche Dauertherapie oder als Bedarfsmedikation erfolgen, wobei die tägliche Einnahme in den meisten Studien wirksamer ist 5
Behandlungsalgorithmus
- Erstlinienbehandlung: Tägliche SSRI-Therapie mit Paroxetin (10-40 mg), Fluoxetin (20-40 mg) oder Sertralin (50-200 mg) 5, 3
- Alternative: Clomipramin (12,5-50 mg), wobei SSRIs aufgrund des besseren Nebenwirkungsprofils bevorzugt werden 5
- Bei unzureichender Wirkung: Dosisanpassung oder Wechsel zu einem anderen SSRI 5
- Behandlungsdauer: Die Therapie wird in der Regel langfristig benötigt, da die Symptome nach Absetzen der Medikation häufig zurückkehren 5
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen und Nebenwirkungen
- Patienten sollten über mögliche Nebenwirkungen wie Übelkeit, Mundtrockenheit, Schläfrigkeit und verminderte Libido aufgeklärt werden 5
- Das Serotonin-Syndrom ist eine potenziell schwerwiegende Komplikation, besonders bei gleichzeitiger Anwendung mehrerer serotonerger Medikamente 5
- SSRIs sollten bei Patienten mit bipolarer Depression vermieden werden, da sie Manie auslösen können 5
- Plötzliches Absetzen oder schnelle Dosisreduktion sollte vermieden werden, um ein SSRI-Entzugssyndrom zu verhindern 5
- Bei Jugendlichen und Patienten mit komorbider Depression und Suizidgedanken ist besondere Vorsicht geboten 5
Klinische Überlegungen
- Sexsucht ist häufig mit anderen psychiatrischen Erkrankungen verbunden, insbesondere mit Depression und Angststörungen 4, 3
- 95% der Patienten mit Sexsucht erfüllen die Kriterien für Dysthymie und 55% für eine Major Depression 3
- Die Behandlungsansprechrate ist unabhängig vom Ausgangswert der Depression 3
- Patienten sind oft zurückhaltend, eine Behandlung mit SSRIs zu beginnen; etwa 40% lehnen die Behandlung ab oder brechen sie innerhalb von 12 Monaten ab 5
- Die Kombination von Pharmakotherapie mit kognitiver Verhaltenstherapie kann die Behandlungsergebnisse verbessern 1
Die Behandlung mit SSRIs zielt darauf ab, sowohl die zwanghaften sexuellen Verhaltensweisen zu reduzieren als auch die damit verbundenen psychischen Symptome wie Depression und Angst zu lindern, was zu einer verbesserten Lebensqualität führt.