Schrittweise Entzug ist besser als abruptes Beenden einer Sucht
Bei einer Sucht ist ein langsamer, schrittweiser Entzug in den meisten Fällen besser und sicherer als ein sofortiges Beenden (kalter Entzug), da dies die Entzugssymptome reduziert und die Erfolgsaussichten verbessert. 1
Warum ein schrittweiser Entzug vorzuziehen ist
- Ein plötzliches Absetzen (kalter Entzug) kann gefährliche Entzugssymptome verursachen, die je nach Substanz sogar lebensbedrohlich sein können 1
- Schrittweises Reduzieren ermöglicht dem Körper, sich allmählich anzupassen und verringert die Intensität der Entzugssymptome 1
- Die Erfolgsquote ist bei langsamer Dosisreduktion höher, da die Behandlung besser durchgehalten werden kann 1
Risiken eines abrupten Absetzens
- Bei Alkohol kann ein plötzlicher Entzug zu Krampfanfällen, Halluzinationen und Delirium tremens führen, was tödlich sein kann 2
- Bei Benzodiazepinen kann abruptes Absetzen zu schweren Angstzuständen, Krampfanfällen und verändertem Bewusstseinszustand führen 3
- Bei Opioiden kann ein plötzlicher Entzug zu starken körperlichen Symptomen wie Unruhe, Tränenfluss, Rhinorrhoe, Gähnen, Schwitzen, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und Mydriasis führen 4
Empfohlene Vorgehensweise für verschiedene Substanzen
Für Opioide:
- Eine Dosisreduktion von etwa 10% der vorherigen Dosis wird empfohlen 1
- Die Reduktionsrate sollte sich nach der individuellen Verträglichkeit richten 1
- Sehr kleine Dosisverringerungen zu Beginn können Angst reduzieren und das Vertrauen in den Prozess stärken 1
Für Alkohol:
- Orale Benzodiazepine sind die am besten untersuchten Medikamente zur Verhinderung eines schweren Alkoholentzugssyndroms 2
- Eine medikamentöse Unterstützung für maximal 7 Tage ist in der Regel ausreichend und die Nebenwirkungen sind meist mild 2
- Diazepam hat aufgrund seiner Pharmakokinetik Vorteile bei der Behandlung von mittelschweren bis schweren Alkoholentzugssymptomen 5
Für Benzodiazepine:
- Ein langsames Ausschleichen (über Monate) wird empfohlen 1
- Ziel sollte ein Entzug in weniger als 6 Monaten sein, um zu verhindern, dass der Entzugsprozess zum krankhaften Fokus des Patienten wird 3
- Carbamazepin kann als unterstützendes Medikament hilfreich sein 3
Unterstützende Maßnahmen während des Entzugs
- Psychosoziale Unterstützung und effektive Kommunikation können das Risiko eines schweren Entzugssyndroms verringern 2
- Verhaltenstherapien haben sich bei der Behandlung von Stimulanzienabhängigkeit als wirksam erwiesen 1
- Körperliche Bewegung und Fitnesstraining können sowohl chronische Schmerzen als auch Angstzustände reduzieren, was bei therapeutischen Opioidreduktionen hilfreich sein kann 1
Wann ein abrupter Entzug gerechtfertigt sein könnte
- Nur in extremen Fällen wie bestätigter Medikamentenumleitung oder schwerer medizinischer Toxizität 1
- Selbst dann besteht ein Risiko für Überdosierung an solchen Übergangspunkten der Versorgung 1
- Ein plötzliches Absetzen ist bei Opioiden nicht angemessener als bei Antihypertensiva oder Antihyperglykämika 1
Fazit
Die wissenschaftliche Evidenz unterstützt eindeutig einen schrittweisen Entzug bei Suchterkrankungen. Ein langsamer, gut überwachter Entzugsprozess mit angemessener medizinischer Unterstützung und Behandlung der Entzugssymptome bietet die besten Chancen für eine erfolgreiche Genesung und minimiert die Risiken schwerwiegender Komplikationen.