Medikamente zur Behandlung von Muskelreflexschmerzen
Für Muskelreflexschmerzen werden primär Muskelrelaxantien, NSAIDs und in bestimmten Fällen andere Medikamentengruppen wie Antikonvulsiva oder Antidepressiva eingesetzt, wobei Muskelrelaxantien und NSAIDs die Erstlinientherapie bei akuten Beschwerden darstellen. 1
Muskelrelaxantien
- Muskelrelaxantien werden als Zusatztherapie zu Ruhe und Physiotherapie bei Muskelspasmen im Zusammenhang mit akuten, schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt 2
- Sie sollten nur für kurze Zeiträume (bis zu zwei oder drei Wochen) verwendet werden, da keine ausreichenden Wirksamkeitsnachweise für eine längere Anwendung vorliegen 2
- Zu den häufig verwendeten Muskelrelaxantien gehören:
- Die Wirkung dieser Medikamente ist unspezifisch und nicht direkt mit Muskelentspannung verbunden, daher sollten sie nicht in dem irrigen Glauben verschrieben werden, dass sie Muskelkrämpfe lösen 1
- Bei Verdacht auf Muskelkrämpfe als Ursache der Schmerzen können alternativ Benzodiazepine oder Baclofen erwogen werden 1
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs)
- NSAIDs haben entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften durch Hemmung der Cyclooxygenase-1 (COX-1) und Cyclooxygenase-2 (COX-2) 1
- Sie sind wirksam bei der kurzfristigen Schmerzlinderung bei akuten Rückenschmerzen 1
- Häufige Nebenwirkungen sind gastrointestinale und kardiovaskuläre Probleme 1, 3
- Die Anwendung sollte bei Patienten mit Risikofaktoren für koronare Herzkrankheiten eingeschränkt werden 1
- Beispiele für NSAIDs sind Ibuprofen und Naproxen, die etwa 60% der Verschreibungen für traditionelle NSAIDs bei Rückenschmerzen ausmachen 4
Benzodiazepine
- Die Wirksamkeit von Benzodiazepinen bei der Behandlung von anhaltenden Schmerzen ist begrenzt 1
- Aktuelle Informationen unterstützen keine direkte analgetische Wirkung dieser Medikamente 1
- Sie können jedoch bei der Behandlung von Angstzuständen oder bei Muskelkrämpfen hilfreich sein, insbesondere wenn Angst, Muskelkrämpfe und Schmerzen gleichzeitig auftreten 1
- Bei älteren Erwachsenen überwiegt das hohe Risikoprofil oft den potenziellen Nutzen für die Schmerzlinderung 1
Antidepressiva
- Trizyklische Antidepressiva (TCAs) haben sich als wirksam bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen erwiesen 1
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) wirken analgetisch durch Verstärkung der monoaminergen Neurotransmission 1
- Kardiovaskuläre Nebenwirkungen von TCAs (z.B. Bluthochdruck, orthostatische Hypotonie, Arrhythmien) schränken ihre Verwendung ein 1
- Duloxetin hat sich als wirksam bei chronischen Rückenschmerzen erwiesen 1
Antikonvulsiva
- Gabapentin und Pregabalin gelten als Antikonvulsiva der ersten Wahl zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen 1
- Sie wirken analgetisch durch Bindung an Kalziumkanäle im Gehirn und Rückenmark, wodurch die Freisetzung von exzitatorischen Neurotransmittern gehemmt wird 1
- Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit, Schwindel und Gewichtszunahme 1
- Bei Radikulopathie kann Gabapentin wirksam sein 1
Topische Analgetika
- Können zur Behandlung lokalisierter Schmerzbereiche eingesetzt werden, einschließlich neuropathischer oder osteoarthritischer Schmerzen 1
- Lidocain, Salizylat und Capsaicin sind die am besten untersuchten topischen Analgetika 1
Wichtige Überlegungen und Einschränkungen
- Muskelrelaxantien können zu Sedierung führen und sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, besonders bei älteren Patienten 1
- NSAIDs sollten in der niedrigsten wirksamen Dosis und für den kürzestmöglichen Zeitraum eingesetzt werden, um Nebenwirkungen zu minimieren 3
- Bei chronischen Schmerzen sollte die langfristige Anwendung von Muskelrelaxantien vermieden werden, da Wirksamkeitsnachweise fehlen 2
- Opioide sollten nur mit Vorsicht und bei schweren, behindernden Schmerzen eingesetzt werden, die nicht mit Acetaminophen und NSAIDs kontrolliert werden können 1
Die Wahl des Medikaments sollte auf der Art des Schmerzes, dem Schweregrad, begleitenden Erkrankungen und dem Nebenwirkungsprofil basieren. Bei akuten Muskelschmerzen sind Muskelrelaxantien und NSAIDs die Erstlinientherapie, während bei chronischen oder neuropathischen Schmerzen Antikonvulsiva und Antidepressiva in Betracht gezogen werden sollten 1.