Muskelrelaxantien bei kranial umschlagenem Bandscheibenprolaps
Bei einem kranial umschlagenen Bandscheibenprolaps werden Benzylisochinolin-Muskelrelaxantien wie Atracurium oder Cisatracurium empfohlen, da sie eine günstigere Pharmakokinetik und weniger Nebenwirkungen aufweisen als andere Muskelrelaxantien. 1
Empfehlungen für verschiedene Muskelrelaxantien
Empfohlene Muskelrelaxantien
- Benzylisochinolin-Muskelrelaxantien (Atracurium/Cisatracurium) werden empfohlen, da sie eine organunabhängige Elimination aufweisen und daher ein günstigeres Sicherheitsprofil haben 1
- Tizanidin kann bei Muskelspasmen im Zusammenhang mit Bandscheibenvorfällen eingesetzt werden, wobei die Dosierung an die Nierenfunktion angepasst werden sollte 2
- Baclofen kann bei spastischen Zuständen eingesetzt werden, jedoch mit Vorsicht aufgrund seiner zentralen Wirkung 3
Zu vermeidende Muskelrelaxantien
- Suxamethonium ist bei primären Muskelschäden (Myopathien) oder bei Hochregulation nikotinischer Acetylcholinrezeptoren an der motorischen Endplatte (chronisches motorisches Defizit) kontraindiziert 1
- Chlorzoxazon sollte besonders bei älteren Patienten vermieden werden, da es mit Hepatotoxizität, ZNS-Depression und einem erhöhten Sturzrisiko verbunden ist 4
- Benzodiazepine (wie Diazepam) zeigen keine Vorteile bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen und können zu signifikanten Nebenwirkungen führen 5
Dosierung und Überwachung
- Bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen wird eine Überwachung der neuromuskulären Blockade nach Anwendung von Muskelrelaxantien empfohlen 1
- Bei nicht-depolarisierenden Muskelrelaxantien ist eine Dosisreduktion um 50-75% bei Patienten mit Myasthenie üblich 1
- Bei Tizanidin ist die Clearance bei älteren Patienten mit Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 25 ml/min) um mehr als 50% reduziert, was zu einer längeren klinischen Wirkung führen kann 2
Besondere Überlegungen
- Bei Patienten mit Nieren- oder Leberversagen werden Benzylisochinolin-Muskelrelaxantien (Atracurium/Cisatracurium) empfohlen, da ihre Pharmakokinetik und Pharmakodynamik bei diesen Patienten ähnlich wie bei Patienten ohne Organversagen ist 1
- Cyclobenzaprin kann bei akuten Muskelspasmen wirksam sein, wobei eine niedrigere Dosis (5 mg dreimal täglich) ähnlich wirksam wie eine höhere Dosis (10 mg dreimal täglich) ist, aber mit weniger Sedierung verbunden ist 6
- Bei zervikalen Bandscheibenvorfällen mit neurologischen Defiziten können auch nicht-chirurgische Behandlungen wie epidurale Steroidinjektionen in Betracht gezogen werden 7
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen
- Die Wirksamkeit von Muskelrelaxantien bei chronischen Schmerzzuständen ist begrenzt, und ihre langfristige Anwendung sollte vermieden werden 4, 8
- Selbst eine kurzfristige Anwendung von Muskelrelaxantien (24 Stunden bis 2 Wochen) ist mit signifikanten unerwünschten Ereignissen verbunden, vor allem Schläfrigkeit und Schwindel 8
- Bei Patienten mit Bandscheibenvorfällen sollten Benzodiazepine nicht routinemäßig eingesetzt werden, da sie keinen zusätzlichen Nutzen bringen und die Krankenhausaufenthaltsdauer verlängern können 5
Algorithmus zur Auswahl eines geeigneten Muskelrelaxans
Bewerten Sie die Art des Problems:
Berücksichtigen Sie die Organfunktion:
Beachten Sie das Alter des Patienten:
Überwachen Sie die Wirkung und passen Sie die Dosierung entsprechend an, besonders bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen 1