Die Höhe des D-Dimers und ihre Beziehung zur Lungenembolie
Die Höhe des D-Dimers korreliert nicht zuverlässig mit der Größe oder Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie, sondern dient hauptsächlich als Ausschlusstest bei niedrigen Werten.
Diagnostischer Wert des D-Dimers
- D-Dimer-Tests haben einen hohen negativen Vorhersagewert, was bedeutet, dass ein normaler D-Dimer-Wert eine akute Lungenembolie oder tiefe Venenthrombose unwahrscheinlich macht 1
- Der positive Vorhersagewert erhöhter D-Dimer-Werte ist jedoch niedrig, weshalb D-Dimer-Tests nicht zur Bestätigung einer Lungenembolie geeignet sind 1
- Die Spezifität des D-Dimers nimmt mit zunehmendem Alter stetig ab, bis auf etwa 10% bei Patienten über 80 Jahren 1
Korrelation mit der Größe der Lungenembolie
- Es gibt keinen klaren Grenzwert, ab dem die Diagnose einer Thrombose sicher ist, obwohl mehrere Studien ähnliche Ergebnisse zeigen 1
- In der COVICLOT-Studie war ein D-Dimer-Wert > 5 mg/ml mit einem positiven Vorhersagewert von 50% für thrombotische Komplikationen verbunden 1
- Bei hospitalisierten Patienten war die Diagnose einer venösen Thromboembolie während des Krankenhausaufenthalts unabhängig mit einem D-Dimer-Wert > 5611 ng/ml assoziiert (OR 6,3,95% CI 2,4–16,2) 1
- Bei Patienten, die eine CT-Pulmonalarteriographie erhielten, hatten die D-Dimer-Werte nahe dem Zeitpunkt der Bildgebungsanforderung einen positiven Vorhersagewert für Lungenembolie von etwa 70%, wenn die Werte sich 5 mg/ml näherten 1
Altersangepasste D-Dimer-Grenzwerte
- Die Verwendung altersangepasster Grenzwerte kann die Leistung von D-Dimer-Tests bei älteren Patienten verbessern 1
- Eine multizentrische, prospektive Managementstudie bewertete einen zuvor validierten altersangepassten Grenzwert (Alter × 10 μg/L für Patienten über 50 Jahre) in einer Kohorte von 3346 Patienten 1
- Die Verwendung des altersangepassten Grenzwerts (anstelle des "Standard"-Grenzwerts von 500 mg/L) erhöhte die Anzahl der Patienten, bei denen eine Lungenembolie ausgeschlossen werden konnte, von 43 (6,4%) auf 200 (29,7%), ohne zusätzliche falsch-negative Befunde 1
Veränderungen des D-Dimers im Zeitverlauf
- Die Veränderungen der D-Dimer-Werte im Zeitverlauf können auch helfen, Patienten zu identifizieren, die wahrscheinlich eine Thrombose entwickeln werden 1
- Eine 1,5-fache Erhöhung des D-Dimers war stark mit der Diagnose einer Thrombose bei COVID-19-Patienten assoziiert 1
- Verlaufskurven des D-Dimers zeigten auch einen schnellen Anstieg vor der Diagnose thrombotischer Ereignisse 1
Diagnostisches Vorgehen
- Bei Verdacht auf Lungenembolie sollten validierte klinische Vorhersageregeln wie Wells-Kriterien oder revidierter Genfer Score verwendet werden, um die Vortestwahrscheinlichkeit einzuschätzen 2
- Bei Patienten mit erhöhtem D-Dimer wird die Multidetector-CT-Pulmonalarteriographie (CTPA) als nächster Schritt empfohlen 2
- Die CTPA gilt als diagnostisch für eine Lungenembolie, wenn sie ein Gerinnsel mindestens auf segmentaler Ebene des pulmonalarteriellen Baums zeigt 2
Häufige Fallstricke
- Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie warnt davor, eine Antikoagulation ausschließlich auf der Grundlage eines leicht erhöhten D-Dimers ohne bestätigende Bildgebung einzuleiten 2
- Es wird empfohlen, altersangepasste D-Dimer-Grenzwerte bei älteren Patienten zu verwenden, um unnötige Bildgebung zu vermeiden 2
- D-Dimer ist auch häufiger erhöht bei Patienten mit Krebs, bei hospitalisierten Patienten, bei schweren Infektionen oder Entzündungskrankheiten und während der Schwangerschaft 1
Zusammenfassend ist der D-Dimer-Test vor allem als Ausschlusstest bei niedrigen Werten nützlich, während hohe Werte zwar mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie korrelieren können, aber keine direkte und zuverlässige Aussage über die Größe oder das genaue Vorhandensein einer Lungenembolie ermöglichen.