Dauer der Antibiotikatherapie bei nosokomialer Pneumonie
Bei Patienten mit nosokomialer Pneumonie (HAP) oder beatmungsassoziierter Pneumonie (VAP) wird eine Antibiotikatherapie von 7-8 Tagen empfohlen, sofern keine Immunsuppression, zystische Fibrose, Empyem, Lungenabszess, Kavitation oder nekrotisierende Pneumonie vorliegt und ein gutes klinisches Ansprechen auf die Therapie beobachtet wird. 1
Allgemeine Empfehlungen zur Therapiedauer
- Bei Patienten mit VAP ohne Immundefizienz und mit gutem klinischem Ansprechen ist eine 7-8-tägige Antibiotikatherapie ausreichend und sicher (schwache Empfehlung, moderate Evidenzqualität). 1
- Diese Empfehlung gilt auch für Patienten mit nicht-fermentierenden gramnegativen Bakterien, Acinetobacter spp. und MRSA, sofern ein gutes klinisches Ansprechen vorliegt. 1
- Die für VAP geltenden Empfehlungen können auch auf nicht-beatmete Patienten mit HAP übertragen werden (Good Practice Statement). 1
- Bei Patienten mit niedriger Wahrscheinlichkeit für eine HAP und ohne klinische Verschlechterung innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn sollte die Antibiotikatherapie nicht länger als 3 Tage fortgesetzt werden. 1
Spezifische Situationen, die eine längere Therapiedauer erfordern
Längere Antibiotikatherapien können in folgenden Situationen erforderlich sein: 1
- Inadäquate initiale empirische Therapie
- Immunsuppression
- Zystische Fibrose
- Empyem
- Lungenabszess
- Kavitation oder nekrotisierende Pneumonie
- Spezifische bakteriologische Befunde (z.B. pan-resistente Erreger)
Bei Patienten mit Piperacillin-Tazobactam-Therapie für nosokomiale Pneumonie wird eine Behandlungsdauer von 7 bis 14 Tagen empfohlen, gemäß FDA-Zulassung. 2
Beurteilung des klinischen Ansprechens
Eine routinemäßige klinische Beurteilung bei Patienten mit Antibiotikatherapie für VAP oder HAP wird empfohlen (Good Practice Statement). 1
Die klinische Beurteilung umfasst: 1
- Messung der Körpertemperatur
- Beurteilung des Volumens, der Kultur und der Eiterigkeit von Tracheobronchialsekret
- Beurteilung der Rückbildung von Infiltraten im Röntgenbild
- Leukozytenzahl
- PaO₂/FiO₂-Verhältnis
- Berechnung von Scores wie CPIS, SOFA, SAPS II oder APACHE II
Fieber sollte innerhalb von 2-3 Tagen nach Beginn der Antibiotikatherapie zurückgehen. 1
Die Progression pulmonaler Infiltrate ist ebenfalls ein Prädiktor für ein schlechtes Outcome bei schwerer Pneumonie. 1
Biomarker und Therapiedauer
- Die routinemäßige Bestimmung von Biomarkern zusätzlich zur klinischen Beurteilung wird nicht empfohlen, um unerwünschte Outcomes vorherzusagen oder das klinische Ansprechen nach 72-96 Stunden zu beurteilen (starke Empfehlung, moderate Evidenzqualität). 1
- Biomarker wie C-reaktives Protein (CRP) und Procalcitonin (PCT) können eine wertvolle Rolle bei der Steuerung der Antibiotikadauer spielen, sollten jedoch im Kontext der klinischen Situation vorsichtig interpretiert werden. 3
Vermeidung häufiger Fehler
- Mikrobiologische Kriterien allein sind nicht zuverlässig und sollten nicht verwendet werden, um eine verlängerte Antibiotikatherapie zu rechtfertigen, da klinische Heilung nicht mit mikrobiologischer Eradikation gleichzusetzen ist. 3
- Die Fortführung der Antibiotikatherapie über die notwendige Dauer hinaus ohne klinische Indikation sollte vermieden werden. 3
- Ein "One-size-fits-all"-Ansatz wird nicht empfohlen; die Verkürzung der Antibiotikatherapie ist jedoch ein wirksamer und sicherer Weg, um unangemessene Antibiotikaexposition zu verringern. 3
Zusammenfassung
Die optimale Dauer der Antibiotikatherapie bei nosokomialer Pneumonie beträgt in den meisten Fällen 7-8 Tage. Diese Empfehlung basiert auf aktuellen internationalen Leitlinien und gilt für Patienten mit gutem klinischem Ansprechen. In bestimmten Situationen wie bei Immunsuppression, zystischer Fibrose oder komplizierten Infektionen kann eine längere Therapiedauer erforderlich sein. Die Entscheidung sollte auf der klinischen Beurteilung des Patienten basieren, wobei die Körpertemperatur, Röntgenbefunde und andere klinische Parameter berücksichtigt werden sollten.